Ärzte Zeitung, 11.01.2008

Insulinanalogon nimmt die Angst vor Unterzuckerung

Metaanalyse zu Insulin glargin bestätigt verringertes Hypoglykämie-Risiko

BERLIN (hbr). Mit Insulin glargin ist das Risiko für Unterzuckerungen niedriger als mit NPH-Insulin. Das bestätigen jetzt die Ergebnisse einer Metaanalyse. Demnach lassen sich mit dem basalen Analoginsulin bei gleichem Hypoglykämierisiko bessere HbA1c-Werte erreichen.

Die regelmäßige Selbstkontrolle des Blutzuckers ist wichtig zur Beherrschung des Diabetes mellitus.

Die regelmäßige Selbstkontrolle des Blutzuckers ist wichtig zur Beherrschung des Diabetes mellitus.

Foto: imago

Für die Analyse wurden elf Studien mit 5074 Patienten ausgewertet. Bei Therapie mit Insulin glargin (Lantus®) ergaben sich im Vergleich zu herkömmlichem NPH-Insulin (Neutral Protamin Hagedorn) 27 Prozent weniger durch Messungen bestätigte Hypoglykämien, ebenso 30 Prozent weniger schwere Unterzuckerungen, bei denen Patienten Hilfe benötigten.

Besonders deutlich profitierten Typ-2-Patienten: Im Vergleich gab es mit Insulin glargin 34 Prozent weniger bestätigte und 35 Prozent weniger schwere Hypoglykämien, so Professor Petra-Maria Schumm-Draeger aus München.

Bei Typ-1-Patienten waren die Rate bestätigter und die Rate schwerer Unterzuckerungen mit dem basalen Analoginsulin signifikant um 22 Prozent verringert, berichtete die Diabetologin bei der Tagung "Der herzkranke Diabetiker" in Berlin. Besonders deutlich war der Vorteil in Studien, in denen gezielt auf einen Nüchternwert unter 100 mg/dl titriert wurde. Dabei waren bestätigte und schwere Ereignisse mit Insulin glargin um 41 und 47 Prozent reduziert.

Bei gleichem Risiko für Hypoglykämien sei mit Insulin glargin eine bessere Stoffwechselkontrolle erreichbar als mit NPH-Insulin, sagte die Diabetologin bei einer Veranstaltung von Sanofi Aventis. Dabei könnte der Unterschied beim HbA1c-Wert für Typ2-Diabetiker etwa zwei Prozentpunkte und bei Typ-1-Diabetikern einen Prozentpunkt betragen.

Viele Patienten trauen sich aus Angst vor Unterzuckerungen nicht, ihre Insulindosis soweit zu erhöhen, dass der vorgegebene HbA1c-Zielwert erreicht wird. Eine reduzierte Hypoglykämiegefahr verringere diese Angst und fördere eine bessere StoffwechselEinstellung, sagte die Diabetologin. Derzeit erreicht in Deutschland nicht einmal jeder zweite Diabetiker einen HbA1c-Wert unter sieben Prozent.

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