Ärzte Zeitung, 11.04.2008

Diabetes bei jedem Elften entdeckt

Im Jahr 2007 wurden bei der Aktion "Gesünder unter 7" 3244 Besucher von Einkaufszentren untersucht

HAMBURG (hbr). An den Ständen der Diabetesaktion "Gesünder unter 7" haben sich im vergangenen Jahr 2416 Passanten ohne bekannten Diabetes untersuchen lassen. Bei jedem Elften von ihnen wurde ein Diabetes festgestellt. Und von den Übrigen hatte jeder Zweite ein erhöhtes Risiko für die Krankheit.

 Diabetes bei jedem Elften entdeckt

Die Gesundheitsberatung bei der Diabetesaktion in Einkaufszentren kommt gut an.

Foto: Ogilvy

Die Ergebnisse der Aktion "Gesünder unter 7" vom vergangenen Jahr bestätigen den hohen Aufklärungsbedarf, hat deshalb Dr. Richard Daikeler aus Sinsheim betont. Denn den Zahlen zufolge war nur jeder dritte Teilnehmer nicht Diabetes-gefährdet, wie der 2. Vorsitzende des Bundesverbands niedergelassener Diabetologen bei der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Aktionen in Hamburg berichtet hat.

Die Aktionen haben schon 250 000 Menschen erreicht

Die Aktion tourt seit 2005 durch deutsche Einkaufszentren, um über Diabetes und die Bedeutung des HbA1c-Wertes aufzuklären. In drei Jahren haben über 250 000 Interessierte die Aktionsstände besucht. Passanten können dort einen Risikofragebogen zu Diabetes ausfüllen und Blutzucker, Blutdruck und Taillenumfang messen lassen. Bei Diabetikern wird zudem auf Wunsch der HbA1c-Wert ermittelt. Anhand der Ergebnisse werden die Teilnehmer dann von Diabetes-Beraterinnen und Diabetologen an den Ständen beraten. 3244 Passanten haben im vergangenen Jahr die Angebote wahrgenommen.

Das Ergebnis: 2416 der Teilnehmer hatten keinen Diabetes - jedenfalls keinen bisher bekannten. Bei 225 von ihnen - also neun Prozent - stellten die Experten dann aber doch die Diagnose Diabetes. Dazu kam eine hohe Zahl weiterer gefährdeter Menschen: 54 Prozent hatten ein leicht bis stark erhöhtes Risiko, Diabetes zu entwickeln. So bewegen sich 37 Prozent der Befragten zu wenig - eines der wichtigsten Verhaltensrisiken. Bei jedem Zweiten war der Taillenumfang zu hoch (über 88 cm bei Frauen, über 102 cm bei Männern) - ein Hinweis auf abdominelle Adipositas als Teil des Metabolischen Syndroms. Weiteren zwei Dritteln drohen vermehrt Folgen für Herz, Hirn und Nieren, weil ihr Blutdruck zu hoch ist.

Und auch bei den bereits bekannten Diabetikern lief nicht alles optimal. So lag der HbA1c-Wert bei 40 Prozent der Betroffenen über dem Zielwert von sieben Prozent, bei jedem achten sogar über acht Prozent, so Daikeler bei der Veranstaltung von Sanofi-Aventis.

Diabetiker wissen nur wenig über den HbA1c-Wert

An zu seltenen Messungen kann das nicht liegen. Denn bei 80 Prozent der Befragten wird der HbA1c-Wert mindestens alle drei Monate ermittelt. Das hat eine Umfrage bei 237 Typ-2-Diabetikern ergeben. Jeder Fünfte kannte seinen Wert aber nicht. Und jeder Zweite wusste nicht, dass damit die langfristige Qualität der Stoffwechselkontrolle ermittelt wird und dass sich anhand der Werte das Risiko für Folgeschäden einschätzen lässt. "Da besteht noch erheblicher Aufklärungsbedarf", ist das Fazit von Daikeler.

Weitere Informationen gibt es unter www.gesuender-unter-7.de

Nächste Aktion im April in Wolfsburg

Die nächste Aktion von "Gesünder unter 7" findet am 24. und 25. April in Wolfsburg (City Galerie) statt.

An "Gesünder unter 7" beteiligen sich außer Sanofi-Aventis weitere Partner aus der Industrie: Die Firma Progen führt die HbA1c-Messungen durch, das Unternehmen Omron ist für die Brutdruck-Checks zuständig. Außerdem nimmt mit der DAK erstmals eine gesetzliche Krankenkasse teil. Medienpartner der Aktion ist die "Ärzte Zeitung".

(hbr)

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