Ärzte Zeitung, 20.05.2009

Therapieleitlinie lässt für den HbA1c-Wert individuelle Ziele zu

Als Therapieziel gilt weiterhin ein HbA1c-Wert von 6,5 Prozent - aber nicht um jeden Preis und für jeden Patienten.

Therapieleitlinie lässt für den HbA

Am Therapieziel für den HbA1c von unter 6,5 Prozent hält die DDG fest. Grundlage dafür sind die Daten der UKPD-Studie, die UKPDS-Zehn-Jahres-Daten sowie die ADVANCE-Studie. Die Autoren der Leitlinie beziehen sich zudem auf die ACCORD-Studie, indem sie betonen, dass "eine Absenkung des HbA1c -Wertes auf 6,5 Prozent im Vergleich zu einem Zielwert von 7 Prozent für die Patienten vorteilhaft sein kann, aber nur angestrebt werden soll, wenn Hypoglykämien (insbesondere schwere) weitestgehend vermieden werden, der therapeutische Effekt nicht mit einer wesentlichen Gewichtszunahme einhergeht, wenig untersuchte Mehrfachkombinationen von oralen Antidiabetika (das heißt in der Regel mehr als zwei) und insbesondere die Beibehaltung solcher Mehrfachkombinationen bei zusätzlicher Gabe von Insulin vermieden werden".

Für ältere Morbide sind die Ziele nicht so streng.

Wie wichtig es ist, Zielwerte individuell festzulegen, stützen zum Beispiel diese Studiendaten: Einerseits hat die ACCORD-Studie eine um 22 Prozent gesteigerte Gesamtsterberate bei scharfer Diabeteseinstellung mit HbA1c-Werten unter 6 Prozent ergeben. Hier waren vorwiegend ältere multimorbide Patienten im späten Erkrankungsstadium untersucht worden. Andererseits ist bei den intensiv behandelten Teilnehmern der UKPDS jetzt, achteinhalb Jahre nach Abschluss der Intervention, eine signifikante Verbesserung bei den makrovaskulären Endpunkten belegt worden. Die Gesamtsterberate war um relative 13 Prozent und die Herzinfarktrate um 15 Prozent verringert im Vergleich zu konventionell behandelten Patienten.

Somit zeichnen sich für die Praxis stärker individualisierte Therapieempfehlungen ab: Für Patienten mit einer langen Diabetesdauer von über zehn Jahren und einer hohen kardiovaskulären Gefährdung gelten als Ziele Werte unter 7 bis 7,5 Prozent. Bei älteren multimorbiden Patienten muss individuell entschieden werden, hier kann der Wert auch noch bei 8 Prozent liegen. (Rö)

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