Ärzte Zeitung, 16.05.2011

Auch ältere Erwachsene können neu an Typ-1-Diabetes erkranken

Die Autoimmunität bei Typ-1-Diabetes beginnt zwar immer im Kindesalter. Die ersten Symptome können aber durchaus erst im vierten Lebensjahrzehnt auftreten.

Auch ältere Erwachsene können neu an Typ-1-Diabetes erkranken

Eine junge Frau injiziert sich Insulin mit einem Pen: In Deutschland erkranken jedes Jahr 15 von 100 000 Einwohnern neu an Typ-1-Diabetes.

© dondoc-foto / fotolia.com

WIESBADEN (ner). Nicht nur die Häufigkeit von Typ-2-Diabetes, sondern auch Erkrankungen mit Typ-1-Diabetes nehmen drastisch zu. Symptomatisch wird die Autoimmunkrankheit dabei zum Teil erst im Erwachsenenalter.

Die Bezeichnung "juveniler Diabetes" für Typ-1-Diabetes sollte man vergessen, da sie irreführend sei, sagte Professor Anette-Gabriele Ziegler von der Forschergruppe Diabetes an der TU München beim Internistenkongress in Wiesbaden. Zehn Prozent der erwachsenen Diabetiker seien Typ-1-Diabetiker, betonte sie.

Zwar beginne die Autoimmunität stets in der Kindheit. Die klinischen Symptome könnten jedoch in jedem Lebensalter erstmals auftreten, so Ziegler. Wichtig: Oft geht Typ-1-Diabetes dabei mit weiteren Autoimmunerkrankungen, etwa der Schilddrüse, einher.

Zunahme um vier Prozent pro Jahr

Darüber hinaus ergeben Daten einer seit 1989 in Deutschland laufenden Kohortenstudie, dass die Krankheit in jungen Geburtsjahrgängen sehr viel rasanter verläuft als früher. Unter den Kleinkindern bis vier Jahre wird eine sehr rasche Zunahme der Inzidenz registriert.

Im Moment erkranken in Deutschland 15 pro 100.000 Einwohner neu an Typ-1Diabetes. Pro Jahr gibt es eine Zunahme um vier Prozent.

Die Ursachen für die zunehmende Häufigkeit sind noch weitgehend unklar. Hat man zunächst das zunehmende Durchschnittskörpergewicht der Kinder mit entsprechend erhöhter Belastung des Pankreas verantwortlich gemacht, haben nach Angaben von Ziegler Tierversuche das Gegenteil ergeben: Übergewicht scheint eher vor Autoimmunität zu schützen.

Vermehrt mit Typ-1-Diabetikern zu rechnen

Erhöhte Inzidenzen sind unter per Sectio entbundenen Kindern beobachtet worden, womöglich weil das Immunsystem auf andere Art und Weise reift als bei vaginal entbundenen Kindern. Bestimmte genetische Faktoren scheinen zudem mit einer erhöhten Vulnerabilität für Typ-1Diabetes einher zu gehen.

Allgemeinmediziner und Internisten müssen demzufolge vermehrt mit Typ-1-Diabetikern im Praxisalltag rechnen. Ziegler schilderte den Fall eines 45-jährigen asymptomatischen Mannes, der bei einer Routineuntersuchung mit einem HbA1c-Wert von 9,3 Prozent aufgefallen war.

Es bestanden bei dem Patienten keine weiteren laborchemischen Auffälligkeiten, kein metabolisches Syndrom und keine positive Familienanamnese. Der Test auf Autoantikörper ergab bei ihm dann die Diagnose eines Typ-1-Diabetes.

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