Ärzte Zeitung, 10.06.2012

Prädiabetes-Therapie schützt vor manifestem Diabetes

Schon bei Prädiabetes mit gestörter Glukosetoleranz sollte der Blutzucker normalisiert werden, meinen US-Ärzte. Sie haben so Diabetes-Manifestationen verhindert.

Therapie im Diabetes-Vorstadium schützt vor manifestem Diabetes

Testen, behandeln - nach Studiendaten wird dann verhindert, dass die aus Prädiabetes ein manifester Diabetes wird.

© N-Media-Images / Fotolia.com

PHILADELPHIA (eis). Nach Studiendaten erkrankt pro Jahr jeder zehnte Mensch mit Prädiabetes an der Stoffwechselkrankheit. Offenbar zahlt sich dabei schon im Diabetes-Vorstadium eine Blutzucker-Normalisierung aus.

Denn die Manifestation der Krankheit kann so langfristig verzögert oder verhindert werden, wie jetzt die Diabetes Prevention Program Outcome Study (DPPO) ergeben hat.

In DPPO werden Patienten des Diabetes Prevention Program (DPP) nachverfolgt. An dieser initialen Studie nahmen über 3000 Risikopersonen mit Adipositas und gestörter Glukosetoleranz teil. Durch Metformin oder Lebensstiländerungen (gesunde Kost, sieben Prozent Abspecken, intensive Bewegung) ließ sich dabei die Diabetes-Manifestation verhindern.

Überzeugende Langzeit-Ergebnisse

Knapp sechs Jahre nach Abschluss der dreijährigen Interventionsphase zeigt sich nun: Wer damals durch die Interventionen seinen Blutzucker normalisieren konnte, der war auch langfristig besser vor Diabetes geschützt.

Im Vergleich zu Teilnehmern mit dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten in der aktiven Studienphase war bei Teilnehmern mit normalisierten Blutzuckerwerten die Manifestations-Rate in den kommenden sechs Jahren um 56 Prozent geringer.

Die Daten wurden jetzt bei der Jahrestagung der American Diabetes Association (ADA) vorgestellt und im Fachblatt "Lancet" publiziert (2012; online 9. Juni)

Die Daten sind möglicherweise für Präventionsprogramme von Diabetes von Bedeutung, so die Studienautoren. Der Blutzucker sollte offenbar schon in der Prädiabetes-Phase normalisiert werden.

Frühe und strikte Blutzuckersenkung bei Menschen mit hohem Risiko kann offenbar die Diabetes-Manifestation verhindern. Eine neue Präventionsstrategie würde dabei auf Regression des Prädiabetes und regelmäßige Rückfallkontrollen abzielen, so die Forscher.

[11.06.2012, 09:46:57]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Gehts noch?
Wir wissen, dass das kardiovaskuläre Risiko bei Diabetes-Erstmanifestation im Wesentlichen nicht vom HbA1c, sondern von den Begleitrisiken abhängt (Bewegungsarmut, Dyslipidämie, Hypertonie...).
Daran etwas zu ändern, ist sicher sinnvoll.
Aber Antidiabetika zu geben, um später einem Teil der Patienten keine Antidiabetika geben zu müssen - das hört sich schon sehr abstrus an.
Beängstigend, dass das den Studienautoren (und einigen Diabetologen) offensichtlich nicht auffällt.
Oder wollen sie das gar nicht sehen? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »