Ärzte Zeitung, 17.09.2012

Diabetes

Dem Risiko trotz Armut entfliehen

Besonder sozial schwache Menschen sind von Diabetes betroffen. Ursache dafür ist oft ein ungesunder Lebensstil. Dabei ließe sich gerade damit das Risiko verringern, glauben britische Forscher.

Dem Risiko trotz Armut entfliehen

Diabetes-Risiko Parkbank?

© Volker Gerstenberg / fotolia.com

NEU-ISENBURG (BS). Dass Diabetes-Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Adipositas und Rauchen in sozial schwachen Gruppen besonders stark verbreitet sind, ist nichts Neues.

Bisher ließ sich aber nur ein Drittel der erhöhten Diabetesinzidenz auf ungesunden Lebensstil zurückführen.

Der Beitrag von modifizierbaren Risikofaktoren ist aber deutlich größer, wenn sie - wie in der Whitehall-II-Studie geschehen - über mehrere Jahre hinweg erfasst werden (BMJ 2012; online 21. August).

An der Studie hatten sich 7237 anfangs stoffwechselgesunde Personen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren beteiligt.

Alle Studienteilnehmer waren britische Staatsangestellte, deren Status je nach Position als hoch (Verwaltungsbeamte), mittel (etwa leitende Angestellte) oder niedrig (etwa Schreibkräfte) definiert wurde.

Binnen 14 Jahren wurde bei 818 Personen ein Diabetes diagnostiziert. Die Beamten mit den schlechtesten Positionen hatten ein um 86 Prozent höheres Erkrankungsrisiko als Beamte mit Spitzenpositionen.

Mehr Anstrengung gegen Risikofaktoren

Wenn Lebensstil und BMI bei Studienbeginn verglichen wurden, ließen sich damit 33 Prozent der Differenz erklären. Der Anteil erhöhte sich auf 45 Prozent, wenn mehrere Messungen und die Langzeitexposition gegenüber den Faktoren berücksichtigt wurden.

Höhere Blutfett- und Blutdruckwerte bei Studienbeginn waren für weitere 8 Prozent des Zusatzrisikos der Personen in der untersten Gruppe verantwortlich. Am stärksten trug mit 20 Prozent ein hoher BMI zu ihrer Gefährdung bei.

Immerhin knapp 50 Prozent des sozialen Gefälles bei der Diabetesinzidenz lassen sich durch keinen der untersuchten Parameter erklären.

Als weitere Mittler des hohen Diabetesrisikos von sozial schwächeren Personen kommen psychosoziale oder psychische Beeinträchtigungen, ungenügende Aufklärung oder eine schlechtere medizinische Versorgung infrage. Dafür gibt es jedoch bisher keine Belege.

Fazit: Das erhöhte Diabetesrisiko von gesellschaftlich unterprivilegierten Gruppen könnte durch einen gesünderen Lebensstil inklusive eines normalen BMI zumindest deutlich reduziert werden, so die Studienautoren.

Mehr Anstrengungen seien nötig, um die Risikofaktoren besser in den Griff zu bekommen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »