Ärzte Zeitung, 24.10.2016

Komplikation

Diabetes geht schon sehr früh auf die Augen

Jeder achte Patient mit Typ-2-Diabetes, der bei einem allgemeinen Screening entdeckt wird, hat bereits eine diabetische Retinopathie.

Von Beate Schumacher

MAINZ. Reihenuntersuchungen zur Früherkennung von Diabetes könnten dazu beitragen, dass weniger zuckerkranke Menschen eine Sehbehinderung bekommen. Diesen Schluss ziehen Ärzte der Universitätsmedizin Mainz aus einer neuen Analyse der Gutenberg-Gesundheitsstudie (Diabetologia 2016; 59: 1913). Von den Patienten, deren Typ-2-Diabetes bei einem Screening entdeckt worden war, hatten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits 13 Prozent eine Retinopathie. Bei den meisten Netzhautschäden war allerdings noch keine Therapie erforderlich.

In der Studie wird der Gesundheitszustand der Bevölkerung in der Rhein-Main-Region untersucht; ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems. Von den 14.948 Teilnehmern im Alter zwischen 35 und 74 Jahren hatten 1377 (9,2 Prozent) einen Diabetes mellitus. Mit 347 Betroffenen war bei etwa jedem vierten Patienten die Erkrankung bei dem Screening zum ersten Mal aufgefallen. Die Reihenuntersuchung hatte damit bei einer von 50 Personen eine Diabetes-Neudiagnose zur Folge.

285 der neu erkannten Diabetiker waren auch ophthalmoskopisch untersucht worden. Bei 36 wurde eine Retinopathie entdeckt. 33 Patienten hatten eine leichte und zwei eine mittelschwere nichtproliferative Form, ein einzelner Patient litt bereits an einer proliferativen Retinopathie. Auswirkungen auf die Sehschärfe waren noch bei keinem der Patienten zu erkennen.

 Bei den meisten der Patienten mit Retinopathie (30 von 36) wurde ein zu hoher Blutdruck festgestellt. Eine Hypertonie bedeutete eine Verdopplung des Risikos für einen Netzhautschaden. Die HbA1c-Werte waren dagegen in beiden Gruppen ähnlich und lagen im Median bei 6,8 Prozent (6,5–15,0 Prozent mit und 6,5–13,8 Prozent ohne Retinopathie). Gewicht und Blutfette standen ebenfalls nicht in Zusammenhang mit dem Auftreten der Mikroangiopathie.

"Unsere Ergebnisse spiegeln die Tatsache wider, dass ein Diabetes selbst dann noch asymptomatisch sein kann, wenn bereits Endorganschäden vorliegen", schreiben die Studienautoren um Dr. Katharina A. Ponto. Darin zeige sich die Notwendigkeit eines Screenings auf Typ-2-Diabetes, um frühe Komplikationen zu entdecken und schwere Retino- und Makulopathien zu verhindern.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Beginnt die MS im Dünndarm?

Im Dünndarm werden wohl "Schläfer-T-Zellen" aktiviert, die eine MS triggern. Jetzt sind Forscher auf der Suche nach dem Auslöser – und haben Keime im Verdacht. mehr »

Wie die Neurologie von der Flüchtlingskrise profitiert

Migranten sind für Europa eine Herausforderung, doch sie bringen auch neue Erkenntnisse: Mediziner können durch Zuwanderer erforschen, wie Gene und Umwelt mit neurologischen Krankheiten zusammenhängen. mehr »

Hausbesuche bringen wohl mehr Honorar

Beim GKV-Spitzenverband gilt als ausgemacht, dass die Ärzte für eine Ausweitung der Mindestsprechzeiten nur sparsam honoriert werden sollen. Das Honorarsystem soll keine Gelddruckmaschine für Ärzte sein. Eine Ausnahme könnte es geben: Hausbesuche. mehr »