Direkt zum Inhaltsbereich

Komplikation

Diabetes geht schon sehr früh auf die Augen

Jeder achte Patient mit Typ-2-Diabetes, der bei einem allgemeinen Screening entdeckt wird, hat bereits eine diabetische Retinopathie.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:

MAINZ. Reihenuntersuchungen zur Früherkennung von Diabetes könnten dazu beitragen, dass weniger zuckerkranke Menschen eine Sehbehinderung bekommen. Diesen Schluss ziehen Ärzte der Universitätsmedizin Mainz aus einer neuen Analyse der Gutenberg-Gesundheitsstudie (Diabetologia 2016; 59: 1913). Von den Patienten, deren Typ-2-Diabetes bei einem Screening entdeckt worden war, hatten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits 13 Prozent eine Retinopathie. Bei den meisten Netzhautschäden war allerdings noch keine Therapie erforderlich.

In der Studie wird der Gesundheitszustand der Bevölkerung in der Rhein-Main-Region untersucht; ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems. Von den 14.948 Teilnehmern im Alter zwischen 35 und 74 Jahren hatten 1377 (9,2 Prozent) einen Diabetes mellitus. Mit 347 Betroffenen war bei etwa jedem vierten Patienten die Erkrankung bei dem Screening zum ersten Mal aufgefallen. Die Reihenuntersuchung hatte damit bei einer von 50 Personen eine Diabetes-Neudiagnose zur Folge.

285 der neu erkannten Diabetiker waren auch ophthalmoskopisch untersucht worden. Bei 36 wurde eine Retinopathie entdeckt. 33 Patienten hatten eine leichte und zwei eine mittelschwere nichtproliferative Form, ein einzelner Patient litt bereits an einer proliferativen Retinopathie. Auswirkungen auf die Sehschärfe waren noch bei keinem der Patienten zu erkennen.

 Bei den meisten der Patienten mit Retinopathie (30 von 36) wurde ein zu hoher Blutdruck festgestellt. Eine Hypertonie bedeutete eine Verdopplung des Risikos für einen Netzhautschaden. Die HbA1c-Werte waren dagegen in beiden Gruppen ähnlich und lagen im Median bei 6,8 Prozent (6,5–15,0 Prozent mit und 6,5–13,8 Prozent ohne Retinopathie). Gewicht und Blutfette standen ebenfalls nicht in Zusammenhang mit dem Auftreten der Mikroangiopathie.

"Unsere Ergebnisse spiegeln die Tatsache wider, dass ein Diabetes selbst dann noch asymptomatisch sein kann, wenn bereits Endorganschäden vorliegen", schreiben die Studienautoren um Dr. Katharina A. Ponto. Darin zeige sich die Notwendigkeit eines Screenings auf Typ-2-Diabetes, um frühe Komplikationen zu entdecken und schwere Retino- und Makulopathien zu verhindern.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Diabetes mellitus

Zusatznutzten für Teplizumab nicht quantifizierbar

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nicht jede Diarrhoe geht von allein

Akuter Durchfall: Wann mehr als Teefasten nötig ist

Lesetipps
Luftverschmutzung aufgrund von Feuer, gepaart mit Hitzewellen - da leidet nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz.

© Kang / stock.adobe.com

Effekte der Klimaerwärmung

Hitze plus Waldbrandrauch erhöhen kardiovaskuläre Mortalität