Ärzte Zeitung online, 25.09.2017
 

Hochauflösende CT-Untersuchung

Typ-2-Diabetiker haben porösere und dünnere Knochen

Bei älteren Typ-2-Diabetikern ist offenbar trotz normaler oder gar hoher, per DXA gemessener Knochendichte das Frakturrisiko durch eine veränderte Feinstruktur erhöht.

Von Peter Leiner

Typ-2-Diabetiker haben porösere und dünnere Knochen

Zur Messung der Knochendichte empfiehlt die DVO-Leitlinie die DXA-Methode.

© Achim Köpf

BOSTON. Alternsforscher um Dr. Elizabeth J. Samelson vom Hebrew SeniorLife Institute for Aging Research in Boston prüften anhand der Befunde von mehr als 1000 Teilnehmern der Framingham-Studie (DOI: 10.1002/jbmr.3240) die Hypothese, dass Typ-2-Diabetiker verglichen mit Gesunden eine geringere Dichte des Knochenkortex sowie eine schlechtere kortikale Mikroarchitektur haben. In ihrer prospektiven Studie mit Männern und Frauen im Alter zwischen 40 und 87 Jahren (Durchschnitt: 64 ± 8 Jahre) wurden an der ultradistalen Tibia und dem ultradistalen Radius eine volumetrische Dichtemessung und eine Bestimmung der Knochenmikroarchitektur vorgenommen, und zwar tomografisch mit dem HR-pQCT (High-resolution peripheral quantitative computed tomography). Mit dem 3D-Bildgebungsverfahren lassen sich separat Messungen an Knochenkortex und Knochentrabekeln vornehmen. Darüber hinaus wurde mit der Bildgebung der Gesamtquerschnitt der untersuchten Knochen bestimmt. Insgesamt 12% der Studienteilnehmer (n = 129) waren an einem Typ-2-Diabetes erkrankt. Die Zeitspanne von der ersten Untersuchung bei Aufnahme in die Studie bis zur Follow-up-Untersuchung der Knochen lag bei 7,4 ±0,8 Jahren.

Aus den Messungen geht hervor, dass Typ-2-Diabetiker eine leicht geringere Dichte des Knochenkortex und eine schlechtere Mikroarchitektur der Tibia haben als Nichtdiabetiker. Außerdem ist der Gesamtquerschnitt des Knochens signifikant geringer. Messergebnisse zur Dichte des Knochenkortex und zum Gesamtquerschnitt an der Tibia waren denen am Radius ähnlich, aber nicht signifikant beim Vergleich zur Gruppe der Nichtdiabetiker. Dagegen gab es bei den Ergebnissen der Trabekelmessung keinen Unterschied zwischen den beiden Teilnehmergruppen. Samelson und ihre Kollegen gehen davon aus, dass die Veränderungen von Knochenkortex und -durchmesser bei älteren T2-Diabetikern Marker für eine diabetische Erkrankung von Knochen des gewichttragenden Skelettabschnitts sind. Die vom CT erfassten Knochenveränderungen sind mit der traditionellen Dichtemessung nicht zu erkennen.

Die Ärzte weisen darauf hin, dass sich anhand der Studienergebnisse das erhöhte Frakturrisiko bei Älteren mit Typ-2-Diabetes nicht vollständig erklären lasse. Die beobachteten Unterschiede in der Knochendichte und der Mikroarchitektur der Knochen seien dafür wahrscheinlich nicht groß genug. Samelson und ihre Kollegen halten es für möglich, dass andere Marker für die Fragilität des Skeletts bei Typ-2-Diabetes existieren. Als Beispiel nennen sie die Anhäufung von AGEs (Advanced Glycation End Products) oder Störungen in der Bildung kleinster Gefäße. Allerdings wurden diese Parameter in der Studie nicht untersucht. Die Ärzte halten es aber auch für möglich, dass die Unterschiede zwischen den beiden Studiengruppen hinsichtlich der Kortexporosität unterschätzt wurden. Der Grund: Mit dem Spezial-CT können Poren mit einem Durchmesser unter 100 Mikrometer nicht erfasst werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »