Ärzte Zeitung online, 05.01.2019

Tabakentwöhnung

Nach dem Rauchstopp steigt Diabetes-Gefahr

Mit dem Rauchen aufzuhören, zählt zu den Klassikern bei den guten Vorsätzen. Die Bemühungen zur Tabakentwöhnung schlagen sich oft auf der Waage nieder. Und nicht nur das: Das Diabetesrisiko nimmt einer Studie zufolge ebenfalls zu. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Von Beate Schumacher

Nach dem Rauchstopp steigt Diabetes-Gefahr

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte sich von einer möglichen Gewichtszunahme nicht abhalten lassen.

© Oko_SwanOmurphy / iStock / Thinkstock

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie wirkt sich eine Gewichtszunahme auf den gesundheitlichen Nutzen der Tabakentwöhnung aus?

Antwort: Ein Gewichtsanstieg nach dem Rauchstopp geht mit einem kurzfristigen Anstieg des Diabetesrisikos einher, aber schwächt kaum die positiven Effekte des Tabakverzichts auf die kardiovaskuläre und Gesamtmortalität.

Bedeutung: Der kardiovaskuläre Nutzen des Rauchverzichts wird durch eine Gewichtszunahme in der Regel kaum vermindert.

Einschränkung: Beobachtungsstudie, alle Teilnehmer im Gesundheitswesen tätig.

BOSTON. Wenn das Gewicht als Argument gegen einen Rauchstopp angeführt wird, steht in der Regel die Sorge um das äußere Erscheinungsbild dahinter.

Im Hinblick auf die kardiovaskuläre Gesundheit, das zeigt eine Studie aus Boston, ist der Gewichtsanstieg in der Tat kein Argument, von einem Tabakentzug abzusehen (NEJM 2018; 379: 623).

„Eine nachfolgende Gewichtszunahme schwächt, im Mittel, den Nutzen des Rauchstopps nicht, was die Senkung der kardiovaskulären Mortalität und die Lebensverlängerung betrifft“, schreiben die Studienautoren um Yang Hu (Harvard T.H. Chan School of Public Health, Boston).

Allerdings raten sie zur „Vermeidung von exzessiver Gewichtszunahme“; dadurch könnten die gesundheitlichen Effekte der Tabakentwöhnung maximiert werden, weil der kurzfristige Anstieg des Diabetesrisikos geringer ausfalle und die Langzeitsterblichkeit weiter reduziert werde.

Risiko vorübergehend und gewichtsabhängig erhöht

Die Ergebnisse beruhen auf einer Analyse von drei großen prospektiven Kohortenstudien (Nurses‘ Health Study, Nurses‘ Health Study II, Health Professionals Follow-up Study), in denen regelmäßig Rauchstatus, BMI und Gesundheitszustand erfasst wurden.

Einen Typ-2-Diabetes entwickelten im Lauf von 19 Jahren 12.384 von 162.807 Teilnehmern. Im Vergleich zu aktiven Rauchern hatten Exraucher, die vor zwei bis sechs Jahren aufgehört hatten, ein um 22 Prozent höheres Erkrankungsrisiko.

Wenn der Entzug schon länger zurücklag, verschwand dieses Exzessrisiko. Nieraucher hatten das geringste Diabetesrisiko; dieses Niveau wurde von Exrauchern 30 Jahre nach dem Ausstieg erreicht.

Die Assoziation zwischen Rauchstopp und Diabetes war gewichtsabhängig: Bei einer Zunahme bis zu 5 kg war der Anstieg des Diabetesrisikos mit 15 Prozent gerade nicht signifikant, bei einem Plus von 5 bis 10 kg bzw. mehr als 10 kg lag es dagegen um 36 Prozent bzw. sogar um 59 Prozent höher als das der weiterrauchenden Kohortenmitglieder.

Etwa zwei Drittel des erhöhten Diabetesrisikos von ehemaligen Rauchern ließen sich durch die Gewichtsveränderung innerhalb der ersten sechs Jahre erklären.

Ab 18 kg extra schwindet kardiovaskulärer Vorteil

Für die Mortalitätsanalyse konnten 170.723 Teilnehmer berücksichtigt werden; von ihnen starben 23.867 während des Follow-up, davon 5492 an kardiovaskulärer Ursache.

Das Risiko für einen kardiovaskulären Tod war nach der Tabakentwöhnung in allen Gewichtsgruppen stark reduziert; bei den seit Kurzem Abstinenten ohne Gewichtszunahme um 31 Prozent, bei denen mit Gewichtszunahme um 53 Prozent (+0,1–5,0 kg) bis 75 Prozent (+5,1–10,0 kg) und bei den Langzeitabstinenten um 50 Prozent.

Der Nadir war nach 10–15 Jahren erreicht, danach stieg das kardiovaskuläre Sterberisiko allmählich wieder an, es blieb aber immer niedriger als in der Gruppe der aktiven Raucher. Eine Ausnahme bildete die kleine Gruppe der Exraucher, die mindestens 18 kg Körpergewicht zugelegt hatten: Bei ihnen erreichte die Sterberate am Ende fast wieder das Niveau der Raucher.

Das relative Risiko für den Tod jedweder Ursache wurde bei den ehemaligen Rauchern fünf bis sieben Jahre lang kontinuierlich geringer, danach erreichte es ein Plateau. Bei Exrauchern, die nicht zugenommen hatten, war dagegen ein linearer Rückgang des Risikos zu verzeichnen.

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 04.01.2019 um 14:48 Uhr.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Lichtshow bei Konzerten bringt Hirn aus dem Takt

Die Lichteffekte bei Musikfestivals werden immer spektakulärer – und sind für Fotosensible nicht ungefährlich: Das Risiko für epileptische Anfälle ist dabei mehr als dreifach erhöht. mehr »

Ablehnung der Kasse – Widerspruch zwecklos?

2018 gab es bei der Unabhängigen Patientenberatung zwar insgesamt weniger Beratungen. Häufig gaben die Krankenkassen aber dazu einen Anlass. mehr »

Ärzte – als Partner der Industrie

Die forschenden Pharmaunternehmen binden unter anderem Ärzte in ihre Projekte ein. Was sie sich das im vergangenen Jahr haben kosten lassen, wurde jetzt veröffentlicht. mehr »