Ärzte Zeitung online, 25.03.2019

Diabetesforschung

Helmholtz-Forscher fokussieren Eltern-Sensibilisierung

Bayern soll mit dem neuen Studienzentrum des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München ein Bollwerk für die Diabetes-Forschung bekommen. Im Fokus stehen Kinder und junge Erwachsene.

Von Matthias Wallenfels

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Feierliche Eröffnung des Instituts für Diabetesforschung (IDF): Matthias Tschöp CEO Helmholtz Zentrum München, Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml, IDF-Direktorin Anette Ziegler und Peter Henningsen von der TUM.

©Sebastian Duerst/ Helmholtz Ze

MÜNCHEN. Für die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bedarf es noch weiterer großer Anstrengungen, um die Eltern im Freistaat für eine Diabeteserkrankung ihrer Kinder frühzeitig zu sensibilisieren – bayernweit sind nach ihren Angaben rund 4500 Menschen unter 20 Jahren von Typ-1-Diabetes betroffen.

„Diese Krankheit muss weiter intensiv erforscht werden. Außerdem ist es wichtig, dass Kinder mit einem erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes beziehungsweise mit Typ-1-Diabetes im Frühstadium und ihre Familien von Anfang an unterstützt werden“, forderte Huml vor Kurzem bei der Eröffnung des neuen Instituts für Diabetesforschung (IDF) des Helmholtz Zentrums München.

„Dort werden sie professionell betreut und geschult. Die Studien Freder1k und Fr1da liefern wichtige Erkenntnisse für die Prävention von Typ-1-Diabetes, deshalb habe ich sehr gerne die Schirmherrschaft dafür übernommen“, ergänzte Huml.

Fr1da Plus geht im April an den Start

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Das Thema Screening stand im Vordergrund der Eröffnung des Zentrums. Denn neben der Freder1k-Studie, die bislang 70.000 Neugeborene auf ein erhöhtes genetisches Typ-1-Diabetes-Risiko untersucht hat, und der Fr1da-Studie, an der bis dato mehr als 91.000 Kinder zwischen zwei und fünf Jahren auf Typ-1-Diabetes im Frühstadium getestet wurden, wird es ab April auch Fr1da Plus geben.

Dadurch sollen künftig auch Kinder zwischen neun und zehn Jahren in Bayern in den Autoantikörper-Check von Fr1da eingeschlossen werden. Insgesamt sollen laut IDF mehr als 300.000 Kinder im Rahmen von Fr1da untersucht werden. Typ-1-Diabetes betreffe jedes Jahr mehr Kinder und in den meisten Fällen würden die Familien von der Diagnose eiskalt überrascht, hob Professor Matthias Tschöp, CEO des Helmholtz Zentrums München, hervor.

„Besonders gravierend sind jene Fälle, die mit einer gefährlichen Ketoazidose ins Krankenhaus eingeliefert werden, weil die ersten Symptome unerkannt geblieben sind. Die Früherkennungsstudien greifen genau hier an. Sie ermöglichen die rechtzeitige Sensibilisierung und Schulung der Eltern und können dadurch dazu beitragen, lebensgefährliche Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden“, ergänzte Tschöp.

Damit entspreche die Forschung am Institut von „auf vorbildliche Weise den Ansprüchen des Helmholtz Zentrums München. Denn die soll nicht allein der wissenschaftlichen Erkenntnis dienen, sondern ganz konkret dazu beitragen, neue Präventions-, Diagnose- oder Therapiemöglichkeiten für Volkskrankheiten oder bislang unheilbare Krankheiten zu finden“, so Tschöp abschließend.

Für IDF-Direktorin Professor Anette-Gabriele Ziegler steht wie für Huml die Sensibilisierung und das Wissen um die Studien im Fokus der künftigen Arbeit.

„Wir wollen möglichst viele Familien auf die Möglichkeiten der Früherkennung aufmerksam machen. In wenigen Tagen startet deshalb auch die dritte Phase unserer aktuellen bundesweiten Kampagne, die sich ganz konkret darum dreht, über die Studien Freder1k und Fr1da zu informieren.

Denn das Screening funktioniert und ist absolut sinnvoll, unabhängig davon, ob in einer Familie bereits Typ-1-Diabetes vorliegt oder nicht. Denn die Erkrankung kann jeden treffen, 90 Prozent der Typ-1-Diabetiker haben keinen Fall in der nahen Verwandtschaft“, verdeutlichte sie.

Exempel translationaler Forschung

Professor Peter Henningsen, Dekan der Fakultät für Medizin der Technischen Universität München, nannte Zieglers Forschung zu den Entstehungsmechanismen und Präventionsmöglichkeiten des Typ-1-Diabetes bahnbrechend. Die Zusammenarbeit mit ihrem Team sei „exemplarisch für wirklich translationale Forschung“, wie er betonte.

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