Ärzte Zeitung, 30.09.2005

Bei chronischen Wunden lohnt sich ein Abstrich

Dermatologin gibt Tips zur Behandlung bei schlecht heilenden Wunden / Klärung von Grund- oder Begleiterkrankungen unverzichtbar

STUTTGART (ars). Viele chronische Wunden sind mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) oder Vancomycin-resistenten Enterokokken infiziert. Daher rät die Dermatologin Dr. Dorothee Dill-Müller, bei Patienten mit gestörter Wundheilung ein Keimspektrum anzufertigen, besonders vor einem Klinikaufenthalt. Denn: Werden die Problemkeime nachgewiesen, läßt sich die Ausbreitung durch gezielte Vorkehrungen eindämmen.

Bei einem Patienten wird gerade der Verband gewechselt. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus sind zunehmend ein Problem bei Patienten mit chronischen Wunden. Foto: Bilderbox

Die resistenten Erreger greifen von Spanien her zunehmend auf Zentraleuropa über, wie die Oberärztin der Universitäts-Hautklinik in Homburg/Saar, bei einem Workshop des Unternehmens Urgo in Stuttgart berichtet hat. Eine bakterielle Besiedlung ist auf der Haut eigentlich gut zu erkennen, in Wunden aber kommt sie versteckt vor.

Deshalb rät die Dermatologin, immer einen bakteriellen Abstrich mit Typisierung des Erregers zu machen, besonders aus den Tiefen der Wunde und aus Wundtaschen. Das sei auch insofern wichtig, weil etwa Tropen-Reisende extrem aggressive Staphylokokken nach Europa eingeschleppt hätten, außerdem Parasiten wie die Erreger von Toxoplasmose und Leishmaniose, die ebenfalls Wunden verursachen oder infizieren können.

Seit dem Irak-Krieg gebe es auch zunehmend problematische Wunden mit multiresistenten Acinetobacter, deren Herkunft nicht geklärt sei, so Dill-Müller.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie bei Patienten mit chronischen Wunden ist es, die Grund- oder Begleiterkrankungen der Patienten zu kennen. Eine Differentialdiagnostik ist daher unverzichtbar, bei der möglichst auch Fachkollegen zu Rate gezogen werden. Mit Inspektion und Palpation lassen sich etwa Puls und Sensibilität bestimmen.

Mögliche Ursachen wie Störungen des venösen und arteriellen Blutflusses kann man mit der Doppler-Sonografie abklären, Diabetes und Gerinnungsstörungen mit Labortests, der Verschluß eines Blutgefäßes mit einer Angiographie, Fehlstellungen und -belastungen der Extremitäten durch eine orthopädische Untersuchung.

Chronische Wunden können außerdem durch Gewebehypoxie etwa bei Rauchern begünstigt sein, ebenso durch Entzündungen wie Vaskulitis und bei älteren Menschen vor allem auch durch Mangel-Ernährung. Hausmittel wie Einreiben mit Honig oder Ringelblumensalbe können heftige Allergien hervorrufen und die Heilung chronischer Wunden verhindern.

Bei Ulcus cruris gehöre zur Diagnostik stets eine Biopsie, so Dill-Müller. Zwar seien 80 Prozent der Unterschenkelgeschwüre arteriell oder venös bedingt, aber um die Ursache für die restlichen 20 Prozent herauszufinden, sollte man eine Gewebeprobe histologisch untersuchen lassen.

Chronische Wunden können nach ihren Erfahrungen ganz verschiedene Ursachen haben. So hatte einer ihrer Patienten ein Pyoderma gangränosum als Folge einer Autoimmunerkrankung, ein anderer ein offenes Plattenepithelkarzinom, einer eine Kalziphylaxie bedingt durch eine Niereninsuffizienz, eine junge Frau eine Nekrobiosis lipoidica durch einen Typ-1-Diabetes.

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