Ärzte Zeitung, 28.10.2005
 

Bei chronischer Urtikaria wird Hochdosistherapie empfohlen

Neue europäische Leitlinie: Die Dosierung moderner Antihistaminika soll bei Bedarf bis zum Vierfachen des sonst Üblichen erhöht werden

MÜNCHEN (wst). Für Patienten mit chronischer Urtikaria sind moderne orale, nicht sedierende Antihistaminika Mittel der ersten Wahl. Sind sie nicht ausreichend wirksam, liegt dies häufig an einer zu niedrigen Dosierung. In der neuen gemeinsamen Leitlinie mehrerer europäischer Organisationen sprechen sich die Experten daher klar für eine Erhöhung der Dosierung aus.

Darauf hat Professor Torsten Zuberbier von der Berliner Charité auf einer Veranstaltung des Unternehmens Essex Pharma in München hingewiesen. In Beipackzetteln von Antihistaminika für allergische Rhinitis und chronische Urtikaria werde die gleiche Dosierung empfohlen. Allerdings:

Die allergische Rhinitis sei weitgehend ein auf die Nasenschleimhaut begrenztes lokales Geschehen, so der Dermatologe. Die chronische Urtikaria müsse hingegen eher als ein systemisches, großflächiges Geschehen aufgefaßt werden.

Es ist nach Angaben von Zuberbier deshalb einleuchtend, daß bei der chronischen Urtikaria häufig höhere Antihistaminika-Dosen als bei der allergischen Rhinitis erforderlich sind. Nur so lassen sich die Auslöser einer übersteigerten Mastzellaktivität ausreichend blockieren.

In der neuen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bei Urtikaria heißt es daher: Bei chronischer Urtikaria sollte die Dosierung moderner, nicht sedierender Antihistaminika je nach Therapieerfolg bis zum Vierfachen gesteigert werden. Als modernes Antihistaminikum nannte Zuberbier etwa Desloratadin (Aerius®).

Auch bei hoher Dosierung wirke das Mittel nicht sedierend. Außerdem seien keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Nahrungsmitteln zu erwarten. Die Substanz werde nicht in der Leber verstoffwechselt.

Erst wenn ein modernes Antihistaminikum auch bei hoher Dosierung die Symptome nicht ausreichend reduziert, sollten Alternativen erwogen werden.

STICHWORT

Chronische Urtikaria

Von der "chronischen idiopathischen Urtikaria" ist in der neuen europäischen Leitlinie nicht mehr die Rede. Dafür gilt jetzt der Begriff der "chronischen Urtikaria". Die chronische Urtikaria wird dabei definiert als das von äußeren Reizen unabhängige spontane Auftreten von Quaddeln über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen. Aufgrund ihrer Unabhängigkeit von erkennbaren äußeren Reizen unterscheidet sich die chronische Urtikaria deutlich von anderen Urtikariaformen, deren Symptome zum Beispiel durch eine Erhöhung der Körpertemperatur (cholinergische Urtikaria) oder durch physikalische Reize wie Kälte, Druck, lokale Wärme, Vibration und mechanische Scherkräfte (physikalische Urtikaria) provoziert wird.

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