Ärzte Zeitung, 22.09.2008

Aussicht auf neue Option bei schwerem Handekzem

MÜNCHEN (sto). Für Patienten mit schwerem chronischen Handekzem besteht Aussicht auf eine neue Therapie-Option. In der Zulassungsstudie für das Vitamin-A-Derivat Alitretinoin gingen die Ekzeme im Mittel um 75 Prozent zurück. Bei jedem zweiten Patienten heilten sie vollständig oder nahezu vollständig ab.

Etwa ein Drittel aller Erkrankungen im Zusammenhang mit einer beruflichen Tätigkeit entfallen auf das Handekzem. Damit sei es die bedeutendste Berufsdermatose, erinnerte Professor Thomas Diepgen von der Universität Heidelberg bei einem Kongress in München. Für Therapie und Folgekosten wie Umschulung und Frühberentung zahlten die Berufsgenossenschaften jährlich etwa 1,2 Milliarden Euro.

Vor kurzem wurden die Ergebnisse der Zulassungsstudie für Alitretinoin veröffentlicht. Seitdem gebe es für die etwa 300 000 Patienten mit schwerem, refraktärem Handekzem neue Hoffnung, sagte Studienleiter Professor Thomas Ruzicka aus München.

Zwei Drittel der Patienten blieben rezidivfrei

In diese Phase-III-Studie wurden 1032 Patienten mit schwerem chronischen Handekzem aufgenommen, die nicht oder nicht mehr auf die topische Behandlung mit sehr wirksamen Kortikosteroiden ansprachen, berichtete Ruzicka bei einem Symposium des Unternehmens Basilea. Die Teilnehmer nahmen bis 24 Wochen lang einmal täglich oral 10 mg oder 30 mg Alitretinoin oder Placebo.

Alitretinoin war in beiden Dosierungen deutlich wirksamer als Placebo. Mit 30 mg heilten die Hände bei 48 Prozent der Patienten fast vollständig oder vollständig ab, mit 10 mg waren es 28 Prozent, mit Placebo 17 Prozent. Sechs Monate nach Ende der Alitretinoin-Behandlung waren 68 Prozent der Patienten rezidivfrei. 80 Prozent der Patienten, die erneut mit Alitretinoin 30 mg behandelt wurden, sprachen wieder auf die Behandlung an.

Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen, die dosisabhängig und reversibel waren, gehören die für Vitamin-A-Derivate typischen Kopf-schmerzen sowie ein Anstieg der Blutfettwerte, wie Ruzicka berichtete. Da Alitretinoin teratogen ist, müssten alle Frauen im gebärfähigen Alter vor, während und bis zu einem Monat nach Therapie-Ende eine strikte Kontrazeption einhalten.

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