Ärzte Zeitung, 08.01.2010

Ästhetische Medizin soll sicherer werden

Gute Faltenglättung vor allem für Botulinumtoxin und Hyaluronsäure belegt / Fallregister erfasst unerwünschte Langzeitwirkungen

BERLIN (gvg). Von Botulinumtoxin über Füllmaterialien bis Laser- und Blitzlicht-Therapie: Ästhetisch-medizinische Maßnahmen gibt es wie Sand am Meer. Doch nicht alles, was gut klingt, ist auch nachgewiesenermaßen wirksam.

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Faltenfrei per Spritze - für Botulinumtoxin ist der Nutzen belegt.

Foto: © dpa

"Man mag zur ästhetischen Medizin stehen, wie man möchte. Tatsache ist, dass sie in großem Umfang nachgefragt und von Ärzten angeboten wird." Diese Auffassung vertritt Professor Berthold Rzany von der Klinik für Dermatologie der Charité Berlin. Weil dem so ist, sollten Ärzte zumindest auf die Studienlage achten, bevor sie ihren Patienten ein Verfahren empfehlen.

Gute Daten zum Nutzen und zur Sicherheit gebe es für die Injektion von Botulinumtoxin zur Verringerung der Glabellafalten an der Stirn sowie zwischen den Augenbrauen. "Hier wurden in Placebo-kontrollierten Studien viele tausend Patienten behandelt", sagte Rzany beim 34. Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer in Berlin.

Die große Mehrheit der Patienten bemerke eine Wirkung bereits früh, oft schon ab dem dritten Tag. "Das Maximum ist nach einem Monat erreicht. Nach vier bis sechs Monaten klingt die Wirkung ab", so Rzany. Schlechter seien die Resultate bei großer Muskelmasse und bei dünner Haut. Das sind häufig Männer, was aber nicht heiße, dass von Botulinumtoxin bei Männern abgeraten werden sollte: "In Berlin sind etwa 10 bis 20 Prozent der Nutzer Männer", so Rzany.

Ebenfalls recht gut belegt seien Effektivität und Sicherheit für einige, längst aber nicht für alle Füllmaterialien. Vor allem bei Hyaluronsäurepräparaten, die auch für den US-Markt zugelassen sind, sei die Studienlage wegen der dort höheren Zulassungsanforderungen an Medizinprodukte relativ gut, vor allem bei der Korrektur einer Nasolabialfalte. Auch für einige Kollagenpräparate gebe es gute kontrollierte Studien. "Insgesamt dürften aber höchstens zehn Prozent der eingesetzten Präparate angemessen untersucht sein", so Rzany.

Problematisch sei vor allem, dass einige schwer wiegende Folgen einer Füllmitteltherapie selten seien und deswegen nicht auffallen, wenn nur kleine Untersuchungen mit dem für Europa ausreichenden Ziel einer CE-Zertifizierung gemacht werden. So gebe es Patienten, die Monate bis Jahre nach Fülltherapie plötzlich schwere entzündliche Granulome entwickelten, die dann oft mit Steroiden therapiert werden müssten. Um hier mehr Transparenz zu schaffen, wurde an der Charité das "Injectable Filler Safety-Register" gestartet, in dem Berichte über unerwünschte Wirkungen von Füllmaterialien gesammelt und ausgewertet werden.

Weitere Infos zum Register unter www.derma-filler.de

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