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Begünstigt Akne-Behandlung eine Rachenentzündung?

Schon länger wird vermutet, dass eine orale Aknetherapie die Entstehung einer Pharyngitis fördert. Jetzt haben US-Forscher weitere Hinweise dafür gefunden.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Bei Verdacht auf Pharyngitis werden Hals und Rachen gründlich inspiziert.

Bei Verdacht auf Pharyngitis werden Hals und Rachen gründlich inspiziert.

© RB-Pictures/fotolia.com

PHILADELPHIA. US-amerikanische Dermatologen und Biostatistiker haben weitere Hinweise dafür gefunden, dass die Verwendung oraler Antibiotika zur Aknebehandlung sehr eng mit der Entwicklung einer Pharyngitis assoziiert ist.

Ein kausaler Zusammenhang lässt sich aus den Daten der prospektiven Studie (Arch Dermatol. 2012; 148 (3): 326-332) allerdings nicht ablesen.

Seit mehr als fünf Jahren gibt es die Vermutung, dass eine orale Antibiotikatherapie gegen Akne mit einer Pharyngitis assoziiert ist.

Bereits 2005 hatten der Dermatologe und Biostatistiker Dr. David J. Margolis und seine Kollegen von der Universität in Philadelphia über Zusammenhänge zwischen der oralen antibiotischen Aknetherapie und Infektionen der oberen Atemwege berichtet.

Nach unter anderem drei Querschnittstudien und zwei retrospektiven Kohortenstudien liegen nun aktuelle Daten unter anderem einer prospektiven Kohortenstudie vor.

Studie mit 576 Studenten

Entzündung der Rachenschleimhaut. Etwa 10 Prozent der Pharyngitiden beruhen auf einer bakteriellen Infektion.

Entzündung der Rachenschleimhaut. Etwa 10 Prozent der Pharyngitiden beruhen auf einer bakteriellen Infektion.

© BSIP/Your_Photo_Today

An der Studie nahmen 576 Studenten - im Median knapp 21 Jahre alt - teil. Während der Studie hatten 36 (6,2 Prozent) von 358 Teilnehmern, die angaben, im Studienzeitraum Akne gehabt zu haben, orale Antibiotika und 96 Teilnehmer (16,6 Prozent) topische Antibiotika gegen Akne verwendet.

Unter den oral verabreichten Antibiotika waren vor allem Tetracyclin, Doxycyclin und Minocyclin. Die häufigsten topisch angewendeten Antibiotika waren Clindamycin und Erythromycin.

Der statistischen Auswertung zufolge war die Wahrscheinlichkeit, dass Studienteilnehmer mit oraler Antibiotikatherapie eine Pharyngitis entwickelten, um das 4,34-Fache im Vergleich zur Gruppe der Teilnehmer ohne Antibiotikatherapie erhöht.

Bei 11,3 Prozent der Teilnehmer, die orale Antibiotika zur Aknetherapie erhalten hatten, wurde eine Pharyngitis diagnostiziert, in der Vergleichsgruppe ohne orale Antibiotikatherapie waren es nur 3,3 Prozent.

Eine Assoziation zwischen topischer Antibiotikatherapie und Pharyngitis lässt sich aus der statistischen Auswertung nicht ablesen.

Bei weniger als einem Prozent der Studenten ließen sich zwar betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A in der Mundhöhle nachweisen. Die Besiedelung mit diesen Keimen war aber nicht mit einer Pharyngitis assoziiert.

Generell gilt, dass nur etwa 10 Prozent der Pharyngitiden auf einer bakteriellen Infektion beruhen, bei 90 Prozent von diesen sind A-Streptokokken die Ursache.

Fragebogen und Abstriche

In der aktuellen Kohortenstudie wurden die Studenten im Zeitraum 2007 bis 2008 dreimal kontaktiert.

Jedes Mal mussten sie einen Fragebogen ausfüllen, in dem es unter anderem darum ging zu klären, seit wann die Akne bestand, wie behandelt wurde, ob sie in den vergangenen 60 Tagen orale Antibiotika verwendeten oder ob bei ihnen eine Pharyngitis diagnostiziert worden ist.

Zudem wurde stets auch die Haut visuell inspiziert und ein Rachenabstrich vorgenommen. Weiterhin erfolgten Abstriche der Zunge zum Nachweis von Streptococcus salivarius. Der Keim wurde bei 1211 von 1228 Teilnehmern nachgewiesen.

S.-salivarius-Bakterien fast jeder zweiten Probe waren in der Lage, die Substanzen BLIS (bacteriocin-like inhibitory substances) zu produzieren, die antibiotisch wirken.

Dennoch verhinderten sie offenbar nicht die Entstehung einer Pharyngitis. Der Keim ist Tetracyclin-empfindlich, die meisten A-Streptokokken sind es dagegen nicht.

Quelle: www.springermedizin.de

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