Ärzte Zeitung, 28.11.2014

Neurodermitis

Endlich Linderung in Sicht?

Eine Therapie, die bei Allergikern schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird, um ihre Beschwerden zu lindern, könnte möglicherweise auch Neurodermitikern helfen. Darauf lassen zumindest Studiendaten aus China hoffen.

Von Elke Oberhofer

Endlich Linderung in Sicht?

In einer Studie besserte sich das atopische Ekzem unter spezifischer Immuntherapie deutlich.

© casi / fotolia.com

CHONGQING/CHINA. Die allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) führt bei Patienten mit IgE-vermittelten Allergien zu einer langfristigen immunologischen und klinischen Toleranz. Patienten mit Heuschnupfen zum Beispiel werden damit seit Langem erfolgreich therapiert.

Aber auch für Neurodermitiker ist die ASIT möglicherweise eine Option, sofern es sich um eine sogenannte extrinsische Form mit erhöhten IgE-Konzentrationen im Serum handelt.

Dr. H. Zhong und Kollegen von der Third Military Medical University in Chongqing haben diese Hypothese, für die es bereits mehrere Hinweise aus Studien gibt, nun an Patienten mit Neurodermitis und einer IgE-Sensibilisierung gegenüber Hausstaubmilben überprüft - offenbar mit Erfolg (JEADV 2014; online 6. November).

Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne ASIT besserte sich bei den mit spezifischer Immuntherapie behandelten Patienten das atopische Ekzem innerhalb von zwei Jahren deutlich. Gemessen wurde dies im POEMScore: Das "Patient-Oriented-Eczema-Measure-System" erfasst Häufigkeit und Schwere der Hautläsionen.

Die Handhabung ist so einfach, dass die Patienten die Messung selbstständig durchführen können. Bei maximaler Symptomatik werden insgesamt 28 Punkte erreicht.

Vier bis sechs Monate Aufbauphase

54 Patienten der ASIT-Gruppe hatte man zehn Kontrollpatienten gegenübergestellt. In beiden Gruppen hatte man den Patienten als Bedarfsmedikation topische Glukokortikoide, topische Kalzineurininhibitoren und orales Cetirizin angeboten. Die ASIT bestand aus subkutanen Injektionen einer Hausstaubmilben-Vakzine.

Auf eine vier- bis sechsmonatige Aufbauphase mit wöchentlichen Spritzen in steigender Dosis folgte die Erhaltungsphase, in der alle sechs bis acht Wochen eine gleichbleibende Dosis verabreicht wurde.

Zytokine als Biomarker

Nach zwei Jahren ASIT war der POEM-Score in der entsprechenden Gruppe deutlich gesunken, von durchschnittlich 18,81 auf 8,09. Die ASIT habe damit einen deutlich positiven Einfluss auf klinische Symptome und Lebensqualität, so Zhong und sein Team.

Dagegen war der Erfolg in der Kontrollgruppe den Autoren zufolge deutlich bescheidener; die exakten Werte für diese Gruppe werden jedoch nicht genannt.

Wie die Forscher berichten, hatte sich unter der Immuntherapie auch das Zytokinprofil der Patienten verändert. So waren TGF-β1, IFN-γ und das Interleukin IL-10 signifikant gestiegen, IL-4 dagegen hatte deutlich abgenommen.

Je mehr TGF-β1 und IFN-γ angestiegen waren, desto größer war der Abfall im POEM-Score. Für die Interleukine galt diese Korrelation jedoch nicht.

Speziell auch die Konzentrationen des gegen Hausstaubmilbenallergene gerichteten s-IgG4 waren nach den zwei Studienjahren bei den ASITPatienten im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich gestiegen. Dieses Ergebnis zeige, so die Forscher, dass die ASIT eine Immunreaktion bewirkt.

Auch hier ergab sich eine negative Korrelation mit den Werten im POEM-Score - für die Forscher ein Hinweis darauf, dass die ASIT zumindest bei Neurodermitikern mit Hausstaubmilbenallergie klinisch wirkt und IgG4 im Serum offenbar als Marker hierfür dient.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »