Ärzte Zeitung, 27.01.2015

Psoriasis

Hauterkrankung schlägt aufs Gemüt

Erwachsene mit bestimmten chronischen Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Handekzemen leiden besonders stark unter Depressionen, Angststörungen oder Suizidgedanken. Diese Vermutung bestärken die Ergebnisse der Auswertung einer europaweiten Beobachtungsstudie.

Von Peter Leiner

Hauterkrankung schlägt aufs Gemüt

Bei Patienten mit Psoriasis war die Rate für Angststörungen fast um das Dreifache erhöht.

© aniaostudio- / iStock / Thinkstock

OSLO. Manche chronischen Hauterkrankungen machen die Patienten anfällig für psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen, Angststörungen oder auch Suizidgedanken.

Für eine europaweite Studie wurden die Daten von fast 5000 erwachsenen Teilnehmern (3635 Patienten und 1359 hautgesunde Kontrollpersonen) aus 13 Ländern - unter anderem auch aus Deutschland - ausgewertet.

Zum einen bildeten die Ergebnisse einer Befragung, zum anderen die einer medizinischen Untersuchung die Grundlagen der Studie (Journal of Investigative Dermatology 2014; online 18. Dezember).

HADS diente zur Diagnostik

Befragt wurden die Teilnehmer unter anderem zu negativen Erlebnissen in ihrem Leben und zu Selbstmordgedanken. Depressionen und Angststörungen wurden mithilfe der HADS (Hospital Anxiety and Depression Scale) beurteilt.

Die HADS dient der Erfassung von Angst und Depression bei Patienten mit körperlichen Erkrankungen oder (möglicherweise psychogenen) Körperbeschwerden.

Das Verfahren kann als Screeningverfahren sowie zur Schweregradbestimmung, auch in der Verlaufsbeurteilung, eingesetzt werden.

Die Ausprägung ängstlicher und depressiver Symptomatik wird auf zwei Subskalen mit je sieben Items erfasst, die Bearbeitungszeit beträgt etwa 5 Minuten, die Auswertezeit etwa 1 Minute.

Wie sich herausstellte, hatten die dermatologischen Patienten im Vergleich zu den Kontrollen signifikant mehr somatische Komorbiditäten (29 Prozent versus 16 Prozent).

Die häufigsten Hauterkrankungen waren Psoriasis (17,4 Prozent), Hautkrebs (außer Melanom, 10,9 Prozent), Hautinfektionen (6,8 Prozent) und Ekzeme (6,4 Prozent) sowie Akne (5,9 Prozent).

Jeder zehnte Patient (10,1 Prozent) mit einer Hauterkrankung hatte auch Depressionen. In der Kontrollgruppe lag der Anteil nur bei 4,5 Prozent. Ein ähnliches Ergebnis hatte bereits eine dänische Studie vor zehn Jahren erbracht.

Höchste Depressivität bei Beinulzera

Am höchsten war in der aktuellen Studie die Wahrscheinlichkeit für eine Depression bei Patienten mit Beinulzera (adjusted Odds Ratio, OR: 10,17), gefolgt von Handekzemen (OR: 4,0).

Auf den nachfolgenden Plätzen befanden sich atopische Dermatitis (OR: 3,27), Psoriasis (OR: 3,02) und Infektionen der Haut (OR: 2,65).

Angststörungen hatten der Studie zufolge 17,2 Prozent der Teilnehmer mit Hauterkrankungen, in der Kontrollgruppe lag der Anteil nur bei 11,1 Prozent.

Vor allem Patienten mit Psoriasis (OR: 2,91), mit Beinulzera (OR: 2,80), mit Handekzemen (OR: 2,60) und mit Akne (OR: 2,53) waren davon betroffen.

Suizid wegen Hautstörungen

Über die gesamte Studiengruppe betrachtet gaben signifikant mehr Teilnehmer mit dermatologischen Erkrankungen zudem an, Suizidgedanken zu haben, nämlich 12,7 Prozent versus 8,3 Prozent in der Kontrollgruppe.

Bei der Betrachtung einzelner Erkrankungen sei die Signifikanz nur bei Patienten mit Psoriasis erhalten geblieben, berichtete das Autorenteam um Florence Dalgard vom Innlandet Hospital Trust in Oslo.

Die Wahrscheinlichkeit für Suizidgedanken ("Haben Sie jemals daran gedacht, sich umzubringen?", "Haben Sie jemals daran gedacht, sich wegen ihrer Hauterkrankung umzubringen?") in dieser Gruppe war im Vergleich zur Kontrollgruppe nahezu verdoppelt (OR: 1,94).

 Mehr als jeder zweite Patient - insgesamt 53,6 Prozent - gab an, dass er solche negativen Gedanken wegen seiner Hautstörungen habe.

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