Ärzte Zeitung, 13.05.2015

Bei Psoriasis-Patienten

Tabuthema Genitalsymptome

Mehr als jeder dritte Patient mit Psoriasis leidet unter genitalen Symptomen, die ihn nicht nur beim Sex oft stark belasten. Forscher aus Texas und Irland fordern, dem vielfach tabuisierten Problem mehr Beachtung zu schenken.

Von Elke Oberhofer

Tabuthema Genitalsymptome

Bei Psoriasispatienten sind nicht nur die Hände Prädilektionsstellen, auch der Genitalbereich ist oft befallen.

© Prof. Dr. H. S. Füeßl

DALLAS/DUBLIN. An der multizentrischen Beobachtungsstudie nahmen 354 Psoriasispatienten aus dem texanischen Dallas und Irlands Hauptstadt Dublin teil (JAAD 2015; online 29. März).

Wie das Team um Dr. Caitriona Ryan von der Baylor University in Dallas berichtet, litten 38 Prozent zum Zeitpunkt der Befragung unter genitalen Symptomen der Psoriasis. 63 Prozent gaben an, derartige Symptome irgendwann im Laufe der Erkrankung an sich bemerkt zu haben.

Die Teilnehmer klagten am häufigsten über Juckreiz (83 Prozent), gefolgt von Brennen (49 Prozent), Dyspareunie (45 Prozent) und Schmerzen (44 Prozent). Dabei wurden die drei letztgenannten Symptome besonders häufig von Frauen berichtet.

Penisschaft und Schamlippen betroffen

Bei Männern waren am häufigsten Penisschaft (36 Prozent), Skrotum (33 Prozent) und Glans penis (29 Prozent) betroffen. Prädilektionsstellen bei den Frauen waren die äußeren Schamlippen (51 Prozent) und das Perineum (28 Prozent); 23 Prozent hatten Veränderungen an den inneren Schamlippen.

Männliche Psoriasispatienten hatten ein höheres Risiko einer genitalen Beteiligung. Aber auch jüngeres Alter bei Erkrankungsbeginn, die Schwere der Hauterkrankung sowie der Befall von Kopfhaut, Beugen oder Nägeln war signifikant mit dem Auftreten genitaler Symptome verknüpft. Dagegen hatten etwa beschnittene männliche oder übergewichtige Psoriasispatienten diesbezüglich kein erhöhtes Risiko.

Insgesamt 46 Prozent aller Patienten gaben an, dass sie wegen der genitalen Symptome seltener Sex hatten, bei 34 Prozent verschlimmerten sich die Beschwerden nach dem Geschlechtsverkehr.

Um herauszufinden, inwieweit sich die genitale Psoriasis auf die Lebensqualität niederschlug, hatten die Forscher verschiedene Fragebögen eingesetzt: den Dermatology Life Quality Index (DLQI), die Center for Epidemiological Studies Depression Scale (CES-D) und die Relationship and Sexuality Scale (RLSS).

In allen drei Skalen schnitten die Patienten mit genitaler Beteiligung deutlich schlechter ab als eine Vergleichsgruppe von Psoriatikern ohne Symptome im Genitalbereich.

Angst vor Sex

Die Unterschiede betrafen vor allem die Frequenz des Geschlechtsverkehrs und das "Funktionieren" beim Sex, aber auch die Angst, eine sexuelle Beziehung einzugehen.

Medikamente halfen den Betroffenen offenbar nur bedingt: Von 129 Patienten, die topische Kortikosteroide einsetzten, beschrieben nur 8 Prozent die Behandlung als "exzellent", bei 38 Prozent lautete das Urteil "gut", bei 36 Prozent "mittelmäßig".

19 Prozent fanden, dass die Therapie nichts nutzte. Noch schlechter fiel die Bewertung von Calcineurin-Inhibitoren aus: Hier votierten 6 Prozent mit "exzellent", 31 Prozent mit "gut", 34 Prozent fanden die Therapie "mittelmäßig" und 29 Prozent verspürten keinen Effekt.

"Die Behandlung der genitalen Psoriasis bleibt eine Herausforderung", betonen Ryan und Kollegen. Bei den Kortikosteroiden sei das Problem, dass höhere Dosen zu Hautatrophien und Streifenbildung führen könnten.

Topische Calcineurin-Inhibitoren gingen nicht selten mit Hautreizungen einher. Insgesamt bestehe ein großer Bedarf an effizienteren Behandlungsmethoden für diese Krankheitsform.

Angesichts der hohen psychosozialen und psychosexuellen Morbidität regen die Forscher an, alle Psoriasispatienten routinemäßig auf eine genitale Beteiligung zu untersuchen und gezielt nach Beeinträchtigungen der Lebensqualität zu fahnden.

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