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Dialyse

Schleifendiuretika gegen Juckreiz?

Dialysepatienten leiden seltener unter chronischem Juckreiz, wenn sie Schleifendiuretika einnehmen, so das Ergebnis einer Untersuchung der Universität Heidelberg.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Ein Viertel der Hämodialysepatienten leidet einer Studie zufolge an chronischem Pruritus.

Ein Viertel der Hämodialysepatienten leidet einer Studie zufolge an chronischem Pruritus.

© nebari/fotolia.com

HEIDELBERG. Lang anhaltender Juckreiz ist ein häufiges Symptom, das dialysepflichtige Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz quält. In der Querschnittstudie German Epidemiological Hemodialysis Itch Study (GEHIS) waren rund ein Viertel der Hämodialysepatienten aktuell betroffen, rund 35 Prozent der Patienten erlebten mindestens eine Episode mit einer Dauer von mindestens sechs Wochen. Nun haben Kinan Hayani von der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und Kollegen untersucht, inwieweit die Medikation der GEHIS-Teilnehmer Einfluss auf den chronischen Juckreiz hatte (J Eur Acad Dermatol Venereol 2017; online 22. März 2017). Hierzu analysierten die Studienautoren die Daten von 824 randomisierten Patienten aus 25 deutschen Dialysezentren. 513 Teilnehmer nahmen Schleifendiuretika ein.

Pruritus trat seltener auf

Es zeigte sich, dass die Patienten, die mit Schleifendiuretika (Furosemid oder Torasemid) behandelt wurden, signifikant seltener unter chronischem Juckreiz litten als diejenigen, die diese Medikamente nicht einnahmen (15 versus 25 Prozent). Im Regressionsmodell berechneten die Autoren gegenüber den nicht behandelten Patienten eine adjustierte Odds Ratio (aOR) für den aktuellen chronischen Juckreiz von 0,62 und für dessen Auftreten in den vorausgegangenen zwölf Monaten von 0,57. Ein Zusammenhang mit anderen Wirkstoffen war nicht erkennbar. Auch zwischen der Intensität und der Einnahme von Schleifendiuretika oder anderen Medikamenten zeigte sich keine Assoziation.

Auffälliger Phosphatwert

Unter den Laborwerten fiel in der adjustierten Analyse der Phosphatwert auf. Die aOR für Phosphat lag sowohl bei denen, die aktuell unter Juckreiz litten, als auch bei denen, die in den vergangenen zwölf Monaten eine Attacke angegeben hatten, signifikant über dem von Patienten ohne Schleifendiuretika (1,62 beziehungsweise 1,76). Keine Unterschiede zwischen den Patienten mit und ohne Schleifendiuretika zeigten sich in der multivariaten Analyse im Hinblick auf Harnstoff, Parathormon, Serumalbumin, CRP und Kreatinin. Die Werte für die Dialyseeffizienz (Kt/V) zeigten einen signifikant negativen Zusammenhang mit der Intensität des chronischen Juckreizes.

Auf der Basis ihrer Analyse stellen Hayani und Kollegen folgende Hypothese auf: Möglicherweise sorgen Schleifendiuretika für ein besseres Salzgleichgewicht, was letztlich vor entzündlichen Reaktionen schützt und damit auch vor dem inflammationsgetriggerten chronischen Juckreiz. Wenn dies zutreffe, könne man überlegen, so die Autoren, Dialysepatienten Diuretika auch dann weiter zu geben, wenn die Ausscheidungsmenge unter 200–300 ml/Tag rutscht, um mögliche pleiotrope Effekte zu nutzen. Bis dahin müssten die Schleifendiuretika ihre protektiven Fähigkeiten aber erst noch in weiteren Studien unter Beweis stellen.

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