Ärzte Zeitung online, 20.11.2017
 

Atopische Dermatitis

Bei schwerem Ekzem gezielte Therapie

Die herkömmliche antientzündliche Therapie bei der atopischen Dermatitis ist unspezifisch. Neue Therapieansätze versprechen nun durch ein gezieltes Eingreifen in die Entzündungskaskade eine Besserung bei ausgeprägten Erkrankungsformen.

Von Angelika Bauer-Delto

Bei schwerem Ekzem gezielte Therapie

Atopische Dermatitis: Neue Substanzen bieten Chancen bei schwerem Ekzem.

© Dagmar Gärtner / stock.adobe.co

WIESBADEN. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene antientzündliche Substanzen entwickelt, die spezifisch an unterschiedlichen Immunantworten bei der atopischen Dermatitis ansetzen. Einer der Angriffspunkte ist das bei der atopischen Dermatitis überaktive Enzym Phosphodiesterase (PDE)-4. Durch dessen Hemmung kann das intrazelluläre cAMP erhöht und die Bildung proinflammatorischer Zytokine reduziert werden. Eine der neueren Entwicklungen im Bereich der topischen Behandlung ist der PDE-4-Inhibitor Crisaborol. In den USA ist eine Salbe mit diesem Wirkstoff bereits zugelassen. Die Effekte sind als eher mild einzustufen und die Substanz ist auch für Kinder geeignet, sagte Professor Thomas Werfel, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover, beim Allergiekongress in Wiesbaden.

Für die Systemtherapie wurde mit Dupilumab jetzt der erste monoklonale Antikörper für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem atopischen Ekzem zugelassen, berichtete Werfel. Dupilumab blockiert den IL-4-Rezeptor und dadurch gleichzeitig die Funktion der Th-2-Zytokine IL-4 und IL-13. Zwei randomisierte, Placebo-kontrollierte Phase-III-Studien belegen, dass eine Therapie über 16 Wochen sowohl die Symptome der Neurodermitis einschließlich Juckreiz als auch die Lebensqualität signifikant bessert. Die Wirksamkeit und Sicherheit konnte über einen Nachbeobachtungszeitraum von einem Jahr bestätigt werden .

Zu neueren Therapieansätzen, die derzeit in der Erprobung sind, zählen auch Substanzen mit dualen Wirkungen auf Juckreiz und Entzündung wie Antagonisten gegen den Histamin-4-Rezeptor, Antikörper gegen den IL-31-Rezeptor A sowie Antikörper gegen das Zytokin TSLP (Thymic Stromal Lymphopoietin). Eine gute Beherrschung von Juckreiz trägt auch dazu bei, entzündliche Läsionen infolge des Kratzens zu reduzieren, so Werfel.

Antientzündliche Therapie

- Der PDE-4-Inhibitor Crisaborol ist in den USA bereits als Salbe zugelassen. Die Effekte sind als eher mild einzustufen.

- Der monoklonale Antikörper Dupilumab ist für die Systemtherapie bei mittelschwerem bis schwerem atopischen Ekzem zugelassen. Er blockiert den IL-4-Rezeptor und dadurch gleichzeitig die Funktion der Th-2-Zytokine IL-4 und IL-13. Die Substanz bessert die Symptome der Neurodermitis einschließlich Juckreiz sowie auch die Lebensqualität signifikant.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »