Ärzte Zeitung online, 24.01.2018

Unerwartete Helfer

Wie Nervenzellen Wunden heilen

In Wunden findet ein komplexes Wechselspiel zwischen verschiedenen Zellen statt. Wissenschaftler fanden nun heraus, dass Gliazellen dabei gar ihre Identität verändern.

Wie Nervenzellen Wunden heilen

Schematische Darstellung aktiver Nervenzellen: Schweizer Forscher wiesen nach, dass Gliazellen in Wunden einen "Cocktail verschiedenster Faktoren ausschütten".

© Sebastian Kaulitzki / Fotolia

ZÜRICH. Forscher der Universität Zürich und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben entdeckt, dass Nervenzellen eine größere Rolle bei der Wundreparatur spielen, als bisher gedacht. Sie publizierten im Fachmagazin "Nature Comminications" (DOI: 10.1038/s41467-017-01488-2).

Ein Team um den Anatomie-Professor Lukas Sommer fand heraus, dass Gliazellen bei der Bildung von Wunden umprogrammiert werden: Sie lösen sich von den Nervenbahnen und schwärmen in das Wundbett aus. "Dort schütten sie einen Cocktail verschiedenster Faktoren aus, welche die Wundheilung unterstützen", erklärt Sommer in einer Mitteilung.

Durch genetische Versuche in Tierexperimenten wiesen die Forscher nach, dass die Gliazellen beispielsweise eine Rolle bei dem Verschließen von Wunden spielen. Sie tragen zu dem dafür notwendigen Umbau der Lederhaut bei. Die reprogrammierten Zellen entdeckten die Wissenschaftler auch in den Wunden von Menschen.

Hoffnung für Patienten mit chronischen Wunden?

Bisher hatten Forscher Gliazellen eher mit Schutz-und Stützfunktionen der Neuronen in Verbindung gebracht, da sie ja Myelinscheiden bilden und zum Stoffwechselaustausch beitragen.

Die Schweizer hoffen mit den neuen Erkenntnissen auch zur Heilung von chronischen Wunden, wie etwa im Alter und bei Diabetes, beizutragen. "Nun wollen wir zusammen mit Klinikern des Universitätsspitals Zürich die Wundheilungsfaktoren besser charakterisieren, die von Nervenzellen ausgeschüttet werden", sagt Sommer" in der Mitteilung zu den nächsten Forschungsschritten. (ajo)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

App sorgt für weniger Tage mit Migräne

Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Kopfschmerztage merklich reduzieren – und zwar um rund 25 Prozent. Das geht aus einer Studie der Schmerzklinik Kiel und der TK hervor. mehr »

Die Zukunft gehört der sensorischen Zuckermessung

Die Zeiten, in denen sich Diabetiker zur Blutzuckermessung in den Finger stechen, sind bald vorbei. Sensor-Messsysteme bringen neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. mehr »

Mehr ASS für schwere Patienten?

Allen Patienten dieselbe ASS-Dosis zu verordnen, scheint in der kardiovaskulären Prävention keine optimale Lösung zu sein. Es könnte sich lohnen, die Dosis an das Körpergewicht anzupassen, um verschiedene Risiken zu minimieren. mehr »