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Folgen der Immunsuppression?

Nach Herztransplantation erkrankt jeder Zehnte an Krebs

Nach einer Herztransplantation ist das Krebsrisiko hoch. Einer aktuellen Studie zufolge hat die Zahl der betroffenen Patienten in den letzten Jahren zugenommen. Wissenschaftler denken nun über Möglichkeiten der Prävention nach.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht:
Herztransplantation: Besonders das Risiko für Hauttumoren steigt.

Herztransplantation: Besonders das Risiko für Hauttumoren steigt.

© Africa Studio / stock.adobe.com

HWASEONG. Nach einer Herztransplantation erkrankt etwa jeder zehnte Patient innerhalb der nächsten ein bis fünf Jahre an einer Krebserkrankung. Die aktuellen Zahlen entstammen aus einer Analyse des "International Society for Heart and Lung Transplantation"-Registers (ISHLT), in der Daten von 17.587 Patienten nach Herztransplantation eingegangen sind (J Am Coll Cardiol 2018; 71: 40–49).

Aufgrund der Abstoßungsgefahr ist nach Organtransplantationen in aller Regel eine dauerhafte Immunsuppression vonnöten. Die dabei eingesetzten Regime wurden in den letzten Jahren weiter optimiert, weshalb die Überlebenschancen deutlich gestiegen sind. Allerdings birgt die Unterdrückung des Immunsystems die Gefahr, dass entartete Zellen nicht als solche erkannt werden und sich ein Tumor entwickelt.

Die Analyse der ISHLT offenbart nun, dass die Inzidenz von neu diagnostizierten Krebserkrankungen nach Herztransplantationen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat: von 10 Prozent in den Jahren 2000 bis 2005 auf 12,4 Prozent in den Jahren 2006 bis 2011.

Sterberisiko ziemlich hoch

Der größte Zuwachs war bei den Hauttumoren zu verzeichnen (von 6,4 auf 8,5 Prozent). Generell ist Hautkrebs die mit Abstand am häufigste diagnostizierte Tumorentität bei Patienten nach Herztransplantation; in dieser Studie waren 7 Prozent der Patienten davon betroffen, danach folgten solide Tumore, die nicht die Haut betreffen (4,0 Prozent) und lymphoproliferative Tumore (0,9 Prozent).

Nach einer Krebsdiagnose sei das Sterberisiko für die Patienten ziemlich hoch, selbst für die an Hautkrebs erkrankten Patienten, berichten die Autoren um Dr. Jong-Chan Youn aus Korea. Fünf Jahre nach der Diagnose waren gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Patienten am Leben. Im Vergleich dazu lag die Überlebensrate bei nicht an Hautkrebs erkrankten Patienten bei über 80 Prozent.

In einem Editorial weisen die beiden Transplantationsmediziner Donna Mancini und Val Rakita allerdings auf die statistischen Limitationen einer solchen retrospektiven Studie hin (J Am Coll Cardiol 2018; 71: 50-52). Faktoren, die die Entstehung von Krebs begünstigen wie hohes Alter, Rauchen oder Diabetes würden auch die Überlebenschancen beeinträchtigen, stellen sie klar. Das hohe Sterberisiko der Patienten mit Hautkrebs sei vermutlich nicht allein auf die Tumorerkrankung zurückzuführen.

Den Anstieg der Inzidenzraten erklären sich die Studienautoren durch die zunehmende Intensivierung der immunsuppressiven Regime. Darüber hinaus würden bei immer mehr ältere Menschen Transplantationen durchgeführt werden. Allerdings hat die Inzidenz von Hauttumoren auch in der Allgemeinbevölkerung zugenommen, was den in dieser Studie zu beobachtenden Anstieg mit erklären könnte.

Maßnahmen zur Prävention

Als präventive Maßnahme schlagen die Autoren vor, Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen speziell für Patienten nach Transplantation zu entwickeln. Sinnvoll könnte es ihrer Ansicht nach sein, immunsuppressive Medikation individuell anzupassen und gegebenenfalls zu reduzieren oder sogar ganz wegzulassen, beispielsweise bei älteren Patienten oder wenn ein sehr hohes Entartungsrisiko vorliege.

Weitere Informationen zur Kardiologie unterwww.springermedizin.de

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