Ärzte Zeitung online, 06.09.2018

Österreichische Studie

Wie oft ist die Herzschrittmacher-Kontrolle nötig?

Aktuelle Studie: Welche Schrittmacher-Patienten profitieren am meisten von häufigeren Nachkontrollen und aggressiveren Therapien?

MÜNCHEN/WIEN. Bei Herzschrittmacher-Patienten sind männliches Geschlecht, höheres Alter bei der Implantation des Schrittmachers, Herzschwäche und Diabetes unabhängige Risikofaktoren für die Sterblichkeit.

Das zeigt eine Studie der MedUniWien, die Dr. Martin Riesenhuber, Kardiologe an der MedUniWien, beim ESC-Kongress in München vorgestellt hat.

Ein hoher Cholesterinspiegel ("Hyperlipidämie") verlängert das Leben von Schrittmacher-Patienten, wahrscheinlich wegen regelmäßiger ärztlicher Betreuung und wirksamer Vorsorge von kardiovaskulären Krankheiten.

Keinen Einfluss auf das Überleben haben die unterschiedlichen Gründe für die Schrittmacherimplantation, Herzinfarkt in der Patientengeschichte oder hohe Blutdruckwerte.

Die Studie will Patienten identifizieren, die von häufigeren Nachkontrollen, niederschwelliger Überweisung an Spezialisten und aggressiverer Therapie von Risikofaktoren besonders profitieren, teilt die Österreichische Kardiologische Gesellschaft (ÖKG) mit.

Nachbeobachtung über zehn Jahre

In der Studie wurden die Daten von 2939 Herzschrittmacher-Patienten der Kardiologie des AKH Wien analysiert, die zwischen 2000 und 2015 mindestens eine Schrittmacherkontrolle in der Ambulanz hatten.

Sterbedaten kamen von der Statistik Austria, der Nachbeobachtungszeitraum betrug zehn Jahre ab dem Zeitpunkt der ersten Schrittmacherimplantation.

"Durch unsere Studienergebnisse können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte Herzschrittmacherpatienten mit erhöhtem Risiko identifizieren", wird Riesenhuber in der Mitteilung zitiert.

Im untersuchten Patientenkollektiv waren 61,9 Prozent männlich. Frauen bekamen im Median mit 75,6 Jahren einen Herzschrittmacher, Männer mit 72,8 Jahren, also fast drei Jahre früher. Die Verteilung von Ein- und Zweikammerschrittmachern war zwischen Frauen und Männern gleich.

Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, die mit optimierten medikamentösen Therapien nicht behandelt werden können, werden mit Herzschrittmachern oder ICDs (implantierbarer Kardioverter/Defibrillator) behandelt.

Zweikammerschrittmacher haben sich zum Standard in der täglichen Routine entwickelt, da frühere Studien eine Verbesserung der Lebensqualität im Vergleich zu Einkammer-Schrittmacher gezeigt haben.

Einkammer-Schrittmacher sind für Patienten mit bradykardem Vorhofflimmern bzw. für spezielle klinische Situationen vorbehalten, heißt es in der Mitteilung.

Die Technik der Schrittmacher entwickelt sich ständig weiter, und so gibt es neben den klassischen Ein- bzw. Zweikammerherzschrittmacher neue Modelle mit erweitertem Indikationsspektrum.

Dies umfasst CRT Devices (Dreikammerschrittmacher) zur Therapie der Herzinsuffizienz, ICDs zur Prävention des plötzlichen Herztodes sowie vollständig kabellose Herzschrittmacher in der Größe eines Fingernagels. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Ein Gelähmter kann wieder gehen

Ein querschnittsgelähmter Mann kann wieder einige Schritte gehen - dank der elektrischen Rückenmark-Stimulation. Von Heilung wollen die Ärzte aber nicht sprechen. mehr »

OTC-Gebrauch verfälscht Laborwerte

Die meisten Patienten nehmen gelegentlich freiverkäufliche Arzneimittel ein. Nur wenige legen das gegenüber ihrem Arzt offen. Das hat Folgen, etwa für die Interpretation von Laborergebnissen. mehr »