Ärzte Zeitung, 16.06.2004

Kardioprotektion durch AT-II-Blocker in großer Studie bestätigt

Ergebnisse der VALUE-Studie vorgestellt / AT1-Antagonist und Kalziumantagonist unterscheiden sich bei kardialer Mortalität und Morbidität nicht

PARIS (ob). Ergebnisse der bislang größten Studie zur Wirksamkeit eines AT1-Rezeptorantagonisten sind jetzt auf dem Europäischen Hypertoniekongreß in Paris bekannt gegeben worden. In ihrem Einfluß auf die kardiale Mortalität und Morbidität bei Hypertonikern mit hohem kardiovaskulären Risiko war in dieser Studie insgesamt kein signifikanter Unterschied zwischen Valsartan und dem Kalziumantagonisten Amlodipin feststellbar.

Die der VALUE-Studie (Valsartan Antihypertensive Long-term Use Evaluation Trial) zugrundeliegende Hypothese war, daß Valsartan bei gleicher Blutdrucksenkung die kardiale Mortalität und Morbidität stärker verringert als Amlodipin.


Mehr als die Hälfte aller Patienten erreichten den Zielblutdruck.

Bei insgesamt 15  245 Hypertonikern mit zusätzlichen Risikofaktoren und/oder bestehender Gefäßerkrankung sind beide Therapieregime im Mittel 4,2 Jahre lang verglichen worden. Wider Erwarten sank der Blutdruck vor allem in den ersten Monaten nach Behandlungsbeginn in der Amlodipin-Gruppe etwas stärker als in der Valsartan-Gruppe.

Danach näherten sich die Blutdruckwerte einander an. Auf den primären kombinierten Studienendpunkt hatte dieser Unterschied allerdings keinen signifikanten Einfluß: Die kardiale Mortalität und Morbidität war am Ende in beiden Behandlungsgruppen nahezu gleich (Inzidenzrate: 10,6 Prozent mit Valsartan im Vergleich zu 10,4 Prozent mit Amlodipin).

Der unbeabsichtigte Unterschied in der Blutdrucksenkung schien sich allerdings auf die Häufigkeit von sekundären Endpunkten ausgewirkt zu haben. So traten Schlaganfälle und Myokardinfarkte vor allem in der ersten Studienhälfte in der Gruppe mit Amlodipin-basierter Therapie seltener auf als in der Gruppe mit Valsartan-gestützter Behandlung.

Vorteile von Valsartan ergaben sich andererseits bei der Entwicklung von Herzinsuffizienz und Diabetes mellitus. Vor allem während der zweiten Studienhälfte waren durch Herzinsuffizienz bedingte Klinikeinweisungen in der Valsartan-Gruppe seltener zu beobachten als in der Vergleichsgruppe.

Der Anteil der Patienten, die im Studienverlauf einen Diabetes mellitus entwickelten, war bei der Valsartan-Therapie signifikant um 23 Prozent niedriger als bei dem als stoffwechselneutral geltenden Kalziumantagonisten Amlodipin.

Ungeachtet der zu Anfang der Studie aufgetretenen Blutdruckunterschiede war die Qualität der Blutdruckeinstellung bei den Patienten in beiden Gruppen sehr gut: Nach nur 22 Prozent zu Studienbeginn lagen am Ende 57 Prozent (Valsartan) und 62 Prozent (Amlodipin) aller Patienten mit ihren Blutdruckwerten im empfohlenen Zielbereich.

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