Ärzte Zeitung, 31.10.2008

Multimorbide? Check der Hochdrucktherapie lohnt

Bei Hypertonus plus Begleiterkrankungen wird Medikation oft nicht intensiviert

PHILADELPHIA (mal). Eine US-Studie gibt Anlass, die Betreuung eigener Hypertonie-Patienten zu überprüfen. Denn: Je mehr zusätzliche - nicht kardiovaskuläre - Erkrankungen Hypertoniker haben, umso eher findet eine eigentlich nötige Intensivierung der antihypertensiven Therapie offenbar nicht statt.

Bei Multimorbiden ist Blutdruckmessen besonders wichtig.

Foto: Kzenon©www.fotolia.de

In ihrer Studie hat das Team um Dr. Barbara J. Turner von der Universität in Philadelphia die innerhalb von drei Jahren bei fast 15 500 Hypertonie-Patienten erhobenen Daten analysiert (Ann Intern Med 148, 2008, 578). Bei allen Studienteilnehmern war eine Intensivierung der antihypertensiven Therapie nötig, da die Blutdruck-Zielwerte nicht erreicht waren (unter 140/90 mmHg, unter 130/80 mmHg bei Diabetes oder chronischer Niereninsuffizienz).

Bei Hypertonie-Patienten mit weiteren kardiovaskulären Erkrankungen (KHK, PAVK, zerebrovaskuläre Erkrankung) gab es am Procedere in den Praxen dabei nichts auszusetzen: Im Vergleich zu Patienten, die lediglich wegen des hohen Blutdrucks behandelt wurden, war hier die Rate der Patienten mit intensivierter antihypertensiver Therapie um ungefähr 15 Prozent höher.

Anders die Situation, wenn außer des Hypertonus weitere Erkrankungen nicht kardiovaskulärer Art wie Rheuma, Asthma oder Depressionen vorlagen. Schon bei nur einer solchen Begleiterkrankung lag die Rate der Patienten mit intensivierter antihypertensiver Therapie 15 Prozent unter derjenigen bei reinen Hochdruck-Patienten.

Bei vier oder mehr nicht kardiovaskulären Begleiterkrankungen war sie sogar um 35 bis 40 Prozent geringer. Besonders häufig hatte dabei die Intensivierung der antihypertensiven Therapie nicht stattgefunden, wenn die Patienten zusätzlich ein Karzinom hatten, eine chronische Rhinitis oder Sinusitis sowie etwa Depressionen oder Angststörungen.

Ihre Beobachtung sollte Kollegen den Impuls geben, gerade die Versorgung multimorbider Hypertoniker kritisch unter die Lupe zu nehmen, so die Autoren.

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