Forschung und Praxis, 26.08.2009

Therapieresistenz - es kann am Salz liegen

Bei resistenter Hypertonie können Änderungen des Lebensstils noch eine wirksame Maßnahme sein - nicht zuletzt die Reduktion der Kochsalzzufuhr.

Von Peter Overbeck

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So deutlich sichtbar wie auf dieser Brezel ist das Salz in der Nahrung eher selten. Vor allem in industriell produzierten Lebensmitteln ist häufig ein hoher Anteil an "verstecktem" Salz enthalten.

Foto: BK©www.fotolia.de

Bereits drei Antihypertensiva inklusive eines Diuretikums verordnet - und der Blutdruck des Patienten ist immer noch zu hoch. Mit diesem Problem sind Ärzte bei Hypertonikern in der täglichen Praxis immer wieder konfrontiert. Nach pragmatischer Definition liegt in diesem Fall - eine optimale Dosierung vorausgesetzt - eine resistente Hypertonie vor. Genaue Daten zur Prävalenz in der Praxis fehlen, nach Erfahrungen in klinischen Studien wird der Anteil therapieresistenter Hypertroniker auf 20 bis 30 Prozent geschätzt. Die Ätiologie der resistenten Hypertonie ist in der Regel multifaktoriell. Oft ist mangelnde Compliance der Patienten der Grund. Gerade bei älteren Hypertonikern kommen relativ häufig sekundäre Ursachen der Hypertonie (Schlafapnoe, parenchymatöse Nierenerkrankungen, Nierenarterienstenose, primärer Hyperaldosteronismus) ins Spiel.

Versagen einer medikamentösen Kombinationstherapie mit drei Blutdrucksenkern bedeutet nicht, dass auch Änderungen der Lebensweise sinnlos sind. Im Gegenteil. Eine Stellschraube für die Blutdrucksenkung, die auch bei resistenter Hypertonie noch funktioniert, könnte etwa die Kochsalzzufuhr sein.

Dass kochsalzarme Diät bei Hypertonikern eine blutdrucksenkende Wirkung hat, ist in vielen Studien nachgewiesen worden. Auch das Kölner IQWiG bestätigt einen solchen Effekt in einem jüngst vorgelegten "Rapid Report", der auf der Auswertung von systematischen Übersichten über die Primärstudien basiert. Unklar war allerdings, ob mit salzreduzierter Kost auch bei resistenter Hypertonie noch etwas auszurichten ist.

Dieser Frage ist ein US-Forscherteam um Dr. David A. Calhoun aus Birmingham im US-Bundesstaat Alabama erstmals in einer aktuell publizierten Studie nachgegangen (Hypertension online). In dieser Studie erwies sich die Kochsalzbeschränkung auch bei therapierefraktärem Bluthochdruck als effektiv - und dies sogar in unerwartet hohem Maße.

Ingesamt 12 Patienten mit resistenter Hypertonie nahmen daran teil. Sie durchliefen alle zwei jeweils einwöchigen Studienphasen, für die der Ernährungsplan eine unterschiedliche Kochsalzzufuhr vorsah: In einer Periode enthielt die tägliche Kost 250 mmol (5,7 g) Natrium, in der anderen Periode betrug die Natrium-Aufnahme dagegen nur 50 mmol (1,15 g).

Systolischer Blutdruck wurde um fast 23 mmHg gesenkt

Der Blutdruck der im Schnitt mit 3,4 Antihypertensiva behandelten Teilnehmer lag zu Beginn im Mittel bei 146 / 84 mmHg. Wie die Analyse der Praxis-Blutdruckmessungen ergab, war es in der Phase der salzarmen Kost im Vergleich zur Phase salzreicherer Ernährung zu einer Reduktion des systolischen Blutdrucks um 22,7 mmHg und des diastolischen Drucks um 9,1 mmHg gekommen. Ergebnisse der 24-Stunden-Blutdruckmessung bestätigten einen entsprechenden Unterschied in den Blutdruckwerten. Ein Anstieg der Plasmareninaktivität und eine Reduktion natriuretischer Peptide (BNP) sowie der Kreatinin-Clearance sprechen für eine Abnahme des intravasalen Volumens in der Phase mit salzreduzierter Kost.

Im Praxisalltag dürfte es allerdings äußerst schwierig sein, die Kochsalzzufuhr bei Patienten auf ein ähnlich niedriges Niveau zu reduzieren wie in der Studie. Eine Voraussetzung dafür wäre sicher, die Lebensmittelindustrie dazu zu bringen, den Salzgehalt in vielen ihrer Produkte zu verringern.

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