Ärzte Zeitung online, 26.02.2014

Japanische Metaanalyse

Vegetarier haben niedrigeren Blutdruck

Wer sich vegetarisch ernährt, hat einen niedrigeren Blutdruck als Normalesser. Das bestätigt erstmals eine Metaanalyse von randomisierten Studien und Beobachtungsstudien. Eine wichtige Frage bleibt aber offen.

Vegetarier haben niedrigeren Blutdruck

Soll ja gesund sein.

© alex / fotolia.com

OSAKA. Seit Ende der 1990er-Jahre gibt es Ernährungsempfehlungen für Hypertoniker auf der Grundlage der DASH-Studie (Dietary Approach to Stop Hypertension). Das Ziel: weniger Fleisch und tierisches Fett, dafür mehr Fisch und pflanzliche Fette.

Schon aus den ersten Analysen der Studie ging hervor, dass sich mithilfe einer solchen Ernährung sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck deutlich senken lässt.

Bereits vor mehr als zehn Jahren stellten zudem Gesundheitsforscher in einer Studie fest, dass sich in der Primärprävention durch Reduktion des systolischen Blutdrucks um fünf mmHg die Gesamtsterberate um sieben Prozent%, die KHK-spezifische Sterberate um neun Prozent und die schlaganfallspezifische Sterberate gar um 14 Prozent vermindert (JAMA 2002; 288 (15): 1882-1888).

Um den Zusammenhang zwischen vegetarischer Ernährung und verringertem Blutdruck zu erhärten, führten japanische Epidemiologen und Präventionsforscher um Dr. Yoko Yokoyama vom National Cerebral and Cardiovascular Center in Osaka eine Metaanalyse durch, in die sie sieben randomisierte offene Studien mit 311 Teilnehmern sowie 32 Beobachtungsstudien mit mehr als 21.600 Teilnehmern einbezogen.

In den Gruppen mit vegetarischer Ernährung verzehrten die Teilnehmer, die mindestens 20 Jahre alt waren, sehr wenig oder gar kein Fleisch. Der Grad der vegetarischen Ernährung reichte von vegan, also gar keine tierischen Produkte, bis zu Formen, bei denen Milchprodukte, Eier oder Fisch erlaubt waren.

Verglichen wurde der Effekt dieser Ernährung auf den systolischen und diastolischen Blutdruck mit dem bei Studienteilnehmern ohne jegliche Einschränkung der Nahrungsvielfalt (JAMA Intern Med 2014; online 24. Februar).

Bei beiden Studienarten stellten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der vegetarischen Ernährung und einem niedrigeren Blutdruck gegenüber den Teilnehmern der Vergleichsgruppen fest. Bei den randomisierten Studien war es eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um im Mittel 4,8 mmHg und des diastolischen Blutdrucks um 2,2 mmHg.

Durch die Analyse der gepoolten Werte aller Beobachtungsstudien ermittelten die Wissenschaftler im Zusammenhang mit der vegetarischen Ernährung eine Reduktion der systolischen Werte um 6,9 mmHg und der diastolischen Werte um 4,7 mmHg.

Nach Angaben der Forscher liegen diese Werte in der Größenordnung, die auch durch bestimmte Änderungen des Lebensstils erreicht werden, etwa durch weniger Salzaufnahme oder indem man fünf Kilogramm abnimmt.

Und: Durch die vegetarische Kost erreiche man fast die Hälfte der Blutdruckminderung, die sich durch pharmakologische Interventionen, etwa mit ACE-Hemmern bei Hypertonikern erzielen lässt. Die Ergebnisse der Metaanalyse bestätigten das, was auch in der DASH-Studie festgestellt worden sei.

Aus der Metaanalyse geht allerdings nicht hervor, welche Komponenten der vegetarischen Nahrung mit dem verringerten Blutdruck assoziiert sind, da die Studienteilnehmer aus vielen verschiedenen Ländern mit ganz unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten stammten.

Dennoch halten die Wissenschaftler die beobachtete Assoziation zwischen vegetarischer Ernährung und niedrigeren Blutdruckwerten für robust. (ple)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »