Direkt zum Inhaltsbereich

Japanische Metaanalyse

Vegetarier haben niedrigeren Blutdruck

Wer sich vegetarisch ernährt, hat einen niedrigeren Blutdruck als Normalesser. Das bestätigt erstmals eine Metaanalyse von randomisierten Studien und Beobachtungsstudien. Eine wichtige Frage bleibt aber offen.

Veröffentlicht:
Soll ja gesund sein.

Soll ja gesund sein.

© alex / fotolia.com

OSAKA. Seit Ende der 1990er-Jahre gibt es Ernährungsempfehlungen für Hypertoniker auf der Grundlage der DASH-Studie (Dietary Approach to Stop Hypertension). Das Ziel: weniger Fleisch und tierisches Fett, dafür mehr Fisch und pflanzliche Fette.

Schon aus den ersten Analysen der Studie ging hervor, dass sich mithilfe einer solchen Ernährung sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck deutlich senken lässt.

Bereits vor mehr als zehn Jahren stellten zudem Gesundheitsforscher in einer Studie fest, dass sich in der Primärprävention durch Reduktion des systolischen Blutdrucks um fünf mmHg die Gesamtsterberate um sieben Prozent%, die KHK-spezifische Sterberate um neun Prozent und die schlaganfallspezifische Sterberate gar um 14 Prozent vermindert (JAMA 2002; 288 (15): 1882-1888).

Um den Zusammenhang zwischen vegetarischer Ernährung und verringertem Blutdruck zu erhärten, führten japanische Epidemiologen und Präventionsforscher um Dr. Yoko Yokoyama vom National Cerebral and Cardiovascular Center in Osaka eine Metaanalyse durch, in die sie sieben randomisierte offene Studien mit 311 Teilnehmern sowie 32 Beobachtungsstudien mit mehr als 21.600 Teilnehmern einbezogen.

In den Gruppen mit vegetarischer Ernährung verzehrten die Teilnehmer, die mindestens 20 Jahre alt waren, sehr wenig oder gar kein Fleisch. Der Grad der vegetarischen Ernährung reichte von vegan, also gar keine tierischen Produkte, bis zu Formen, bei denen Milchprodukte, Eier oder Fisch erlaubt waren.

Verglichen wurde der Effekt dieser Ernährung auf den systolischen und diastolischen Blutdruck mit dem bei Studienteilnehmern ohne jegliche Einschränkung der Nahrungsvielfalt (JAMA Intern Med 2014; online 24. Februar).

Bei beiden Studienarten stellten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der vegetarischen Ernährung und einem niedrigeren Blutdruck gegenüber den Teilnehmern der Vergleichsgruppen fest. Bei den randomisierten Studien war es eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um im Mittel 4,8 mmHg und des diastolischen Blutdrucks um 2,2 mmHg.

Durch die Analyse der gepoolten Werte aller Beobachtungsstudien ermittelten die Wissenschaftler im Zusammenhang mit der vegetarischen Ernährung eine Reduktion der systolischen Werte um 6,9 mmHg und der diastolischen Werte um 4,7 mmHg.

Nach Angaben der Forscher liegen diese Werte in der Größenordnung, die auch durch bestimmte Änderungen des Lebensstils erreicht werden, etwa durch weniger Salzaufnahme oder indem man fünf Kilogramm abnimmt.

Und: Durch die vegetarische Kost erreiche man fast die Hälfte der Blutdruckminderung, die sich durch pharmakologische Interventionen, etwa mit ACE-Hemmern bei Hypertonikern erzielen lässt. Die Ergebnisse der Metaanalyse bestätigten das, was auch in der DASH-Studie festgestellt worden sei.

Aus der Metaanalyse geht allerdings nicht hervor, welche Komponenten der vegetarischen Nahrung mit dem verringerten Blutdruck assoziiert sind, da die Studienteilnehmer aus vielen verschiedenen Ländern mit ganz unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten stammten.

Dennoch halten die Wissenschaftler die beobachtete Assoziation zwischen vegetarischer Ernährung und niedrigeren Blutdruckwerten für robust. (ple)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim

Früherkennung von Bluthochdruck

Hypertonie: Wenn die Smartwatch in falscher Sicherheit wiegt

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Porträt

Wie ein Hausarzt mit seinem„Medmobil“ Obdachlose versorgt

Warnzeichen früh erkennen

Immundefekte: Das ist die Basisdiagnostik für die Praxis

Lesetipps
Ein langer Wurm liegt in einer behandschuhten Hand.

© Clouds Hill Imaging / Science Photo Library

Ascariasis

Wurm in der Hose: Was tun bei hartnäckigem Spulwurmbefall?

Echzeitdarstellung der Blutzuckermessung auf einem Smartphone

© Remigiusz Góra / stock.adobe.com

Kasuistik

Seltene Ursache rezidivierender Hypoglykämien