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Auch bei leichter Hypertonie

Der Blutdruck muss runter

Die Blutdrucksenkung lohnt sich auch bei Patienten mit nur leichtem Hochdruck: Die Schlaganfall- und Sterberate lassen sich deutlich senken, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Auch bei leichter Hypertonie lohnt sich die Blutdrucksenkung zugunsten der Gesundheit.

Auch bei leichter Hypertonie lohnt sich die Blutdrucksenkung zugunsten der Gesundheit.

© Klaus Rose

UPPSALA/SCHWEDEN. Eigentlich ist die Sache klar: Hypertoniker sollten alles tun, um ihren Blutdruck unter 140/90 mmHg zu bekommen, ansonsten drohen Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder eine Demenz sowie ein früher Tod.

Das lässt sich aus unzähligen Studien zur Blutdrucksenkung schließen. Diese Studien haben aber ein Manko: An ihnen nahmen überwiegend Hochrisikopatienten teil, die oft stark erhöhte Blutdruckwerte, eine bestehende kardiovaskuläre Erkrankung oder häufig sogar beides hatten.

Mehrzahl hat nur leicht erhöhten Blutdruck

Von den schätzungsweise weltweit einer Milliarde Menschen mit Hypertonie fällt jedoch nur ein kleiner Teil in diese Kategorie, die Mehrzahl hat nur einen leicht erhöhten Blutdruck und noch kein kardiovaskuläres Leiden, berichtet ein internationales Forscherteam um Dr. Johan Sundström von der Universität in Uppsala (Ann Intern Med, online 23. Dezember 2014).

Ob solchen Menschen die Blutdrucksenkung ebenfalls deutlich nützt, ist weit weniger klar.

Kontrollierte Studien zur Primärprävention speziell für diese Gruppe sucht man vergeblich.

Es bleibt daher fast nur die Option, die wenigen Daten zu solchen Patienten aus den vorhandenen Studien in einen großen Topf zu werfen und nach Effekten zu suchen - mit all den Fallstricken, die ein solches Verfahren mit sich bringt.

Durchschnittsalter 64 Jahre

Das genau haben die Forscher um Sundström von der "Blood Pressure Lowering Treatment Trialists‘ Collaboration" jetzt getan: Sie wählten Einzeldaten von Patienten mit leichter Hypertonie aus 13 placebokontrollierten Präventionsstudien.

Die Blutdruckwerte mussten dazu zwischen systolisch 140 und 159 mmHg oder diastolisch 90 und 99 mmHg liegen, außerdem wurden Patienten mit bekannter kardiovaskulärer Erkrankung ausgeschlossen.

Auf diese Weise gelangten die Studienautoren zu knapp 15.300 Patienten mit leichter Hypertonie.

Im Schnitt hatten die Patienten 4,4 Jahre an den Studien teilgenommen, fast alle waren entweder mit Antihypertensiva versus Placebo behandelt worden, ein geringer Teil hatte an Studien mit intensiver versus moderater Drucksenkung teilgenommen.

Das Durchschnittsalter bei Studienbeginn lag bei rund 64 Jahren. Insgesamt entwickelten 661 Patienten eine kardiovaskuläre Erkrankung, 665 starben.

22 Prozent weniger Sterbefälle

Unter den Antihypertensiva ging der Blutdruck im Mittel um 3,6/2,4 mmHg zurück.

Im Vergleich zu Placebo oder einer weniger intensiven Therapie kam es damit im Verlauf der Studien zu 28 Prozent weniger Schlaganfällen, 25 Prozent weniger Herzinsuffizienz-Diagnosen und 9 Prozent weniger kardialen Ereignissen.

Die Zahl der Todesfälle in der aktiven Behandlungsgruppe war um 22 Prozent geringer; letale kardiovaskuläre Ereignisse traten um ein Viertel seltener auf.

Zwar war auch die Gesamtzahl kardiovaskulärer Ereignisse mit der Blutdrucksenkung um mehr als ein Viertel reduziert, allerdings wurde das Signifikanzniveau bei diesem Punkt knapp verfehlt.

Relativer Nutzen relativ ähnlich

Insgesamt, so die Studienautoren um Sundström, scheinen Patienten mit leichter Hypertonie, aber ohne kardiovaskuläre Erkrankung in einem ähnlichen Maße von der Blutdrucksenkung zu profitieren wie Hochrisikopatienten.

Die relative Risikosenkung aufgrund der antihypertensiven Behandlung sei damit wohl bei einem großen Patientenspektrum recht ähnlich.

Allerdings ist das Eis für solche Schlussfolgerungen dünn: Der Datenmixer von Sundström und Mitarbeitern kann keine randomisierte Therapiestudie speziell zu Patienten mit leichter Hypertonie ersetzen.

Zu vielfältig seien die potenziellen Fehlerquellen, heißt es dazu auch in einem Editorial.

So stammten etwa 40 Prozent der Teilnehmer aus Studien, die ausschließlich Diabetiker aufgenommen hatten. Auch waren die Endpunkte in den Studien und damit die Anforderungen an die Patienten sehr unterschiedlich, was ebenfalls zu Verzerrungen bei einer gepoolten Subgruppenanalyse führen kann.

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