Ärzte Zeitung online, 15.11.2013
 

DGE kritisiert US-Leitlinien

Weiter an Cholesterinzielwerten festhalten!

Zwei US-Fachgesellschaften haben ihre Leitlinien zur Cholesterinsenkung reformiert. Deutsche Endokrinologen wenden sich dagegen.

BOCHUM. "Seit den 90er Jahren werden Statine erfolgreich eingesetzt, um das LDL-Cholesterin zu senken. Damit konnte die Häufigkeit von Erkrankungen und auch die Sterblichkeit reduziert werden", betont Professor Helmut Schatz, Sprecher Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in einer Mitteilung.

Eine aktuelle Leitlinie des American College of Cardiology und der American Heart Association ändert nun die Verordnungsstrategie (Circulation 2013, online 12. November).

Cholesterinzielwerte fallen weg. Die DGE empfiehlt nun in Übereinstimmung mit den europäischen Leitlinien, zunächst an LDL-Zielwerten festzuhalten.

"Die neue US-Leitlinien ist eine Neuorientierung und unterscheidet sich von unseren Strategien. Da es keine Interventionsstudien gibt, die Zielwerte miteinander vergleichen, so die Argumentation der Amerikaner, könne auf Zielwerte auch ganz verzichtet werden", erläutert Professor Klaus Parhofer, Leiter der Arbeitsgruppe Stoffwechsel am Klinikum der Universität München Großhadern.

Damit werde jedoch eine "indirekte Evidenz" ignoriert. Für die Praxis in den USA werden vier Konstellationen für die Statintherapie zur Senkung des LDL-Cholesterins definiert: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, LDL-Cholesterin über 190 mg/dl, Alter von 40 bis 75 und Diabetes und Zehn-Jahres-Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt über 7,5 Prozent.

Therapie mit Lebensstiländerungen kombinieren

Parhofer plädiert aber dafür, den erprobten Weg der Cholesterin-Zielwerte weiterzugehen: "Nicht zuletzt die Behandlungsstrategie, also das Abschätzen des Gesamtrisikos, das Festlegen eines Zielwertes und die Gabe von Statinen, hat zum Rückgang der atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankungen geführt."

DGE-Sprecherr Schatz ergänzt: "In den vergangenen Jahren hat es eine Fülle von Daten zum Nutzen der Cholesterinsenkung gegeben. Wichtig ist es aber auch, die medikamentöse Therapie mit Lebensstiländerungen zu kombinieren."

Nicht rauchen, mehr bewegen und gesund ernähren, fasst er die wichtigsten Verhaltensweisen zusammen. (eb)

[18.11.2013, 20:42:16]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Von der Endokrinologie zum "Treppenterrier"?
"Wer endokrinologische Erkenntnisse nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachtes oder verfälschtes endokrinologisches Halbwissen sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit kollegialer Missachtung bestraft."

Herr Kollege Dr. Uwe Wolfgang Popert, so geht es nun wirklich nicht! Wo sind denn I h r e Fakten? Denn ihr Verweis auf www. arriba-hausarzt.de geht nach hinten los: Selbst Wikipedia schreibt zu ARRIBA "Ein Beispiel: Durch Einstellen des Rauchens kann ein fünfzigjähriger Diabetiker mit einem systolischen Blutdruck von 140 mmHg, Gesamtcholesterin von 140 mg/dl und HDL-Cholesterin von 35 mg/dl sein 10-Jahres-Risiko von 13,8 % auf 6 % senken".

Und genau diese Titration und den Bezug auf Cholesterin-Zielwerte greifen Sie an, die in der medikamentösen Cholesterinsenkung bisher immer mit "flexible response" gehandhabt wurde. Aber ich hab' ja vergessen, für Ihre "Fakten statt Theorien" haben Sie weder Quellen noch Belege - stattdessen "erfinden" Sie fiktive "Fibrat"- und "Triglycerid"-Mythen bei den "Lipido-/Endokrinologen".

Weil wir gerade bei Mythen sind, Ihr Schlusssatz "So einfach ist das. Auch für Endokrinologen." nährt das Vorurteil, Hausärzte seien eben doch nur "Treppenterrier", die den spezialisierten Fach- und Spezialärzten lieber ans Bein pinkeln, als selber Substanzielles zu Papier zu bringen. Ich persönlich kenne und schätze Professor Dr. Dr. h. c. Helmut Schatz, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), aus meiner Nachbarstadt Bochum. Und im Gegensatz zu Ihnen weiß ich, dass a l l e hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen im Umkreis der Universitätsklinik "Bergmannsheil" der RUB ihre Patienten ohne Berührungsängste und Vorbehalte zum endokrinologischen Konsil schicken konnten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[18.11.2013, 09:09:52]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Fakten statt Theorien
Endlich haben AHA und ACC eingesehen, dass es noch nie wissenschaftliche Belege für eine "Titrations-Theorie" gegeben hat. In Studien wurden lediglich feste Medikamenten-Dosierungen getestet.
Für die Endokrinologen scheint jetzt eine (selbst geschaffene) Welt zusammenzubrechen - müssen Sie doch in der Leitlinie lesen, dass (bis auf geringe Effekte bei Fibraten in der Sekundärprävention) nur Statine nachweisbar zur Verhinderung von Schlaganfällen/Herzinfarkten erfolgreich waren. Und dass Triglyceride kaum als Therapie-Indikation taugen.
Damit stellt sich -nicht nur für Lipido-/Endokrinologen- die Frage, warum sogenannte "Experten" noch wichtig sind, wenn die Therapie tatsächlich so einfach ist.
Therapieversuch mit Statinen bei:
1) Sekundärprävention
2) familiärer Hypercholesterinämie
3) Primärprävention (inclusive Diabetes) bei CVD-Risiko über 20%/10Jahre

Merke: die 20%-Grenze der deutschen Arzeneimittelrichtlinie gilt weiterhin - Nutzen/Risiko bzw. Kosten/Risiko Analysen zu niedrigeren Schwellen sind lediglich in der Diskussion.
Wer einen einfachen und praxiserprobten Risiko-Kalkulator sucht:
www. arriba-hausarzt.de
So einfach ist das. Auch für Endokrinologen. zum Beitrag »
[16.11.2013, 17:28:29]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Schrot-, Hüft- oder Kopfschuss?
Die jüngsten Leitlinien des American College of Cardiology (ACC) und der American Heart Association (AHA), in Circulation 2013, online am 12. November veröffentlicht, gelten in den USA gar nicht unumstritten. Sie sind inhaltlich spekulativ und angreifbar. Vgl.
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/fettstoffwechsel-stoerungen/article/849864/neue-leitlinien-cholesterinsenkung-ldl-zielwerte-out.html

Wissenschafts- und erkenntnistheoretisch haben Statine und Vergleichstherapien z. B. mit Ezetimibe immer schon wegen der hohen "number-needed-to-treat" (NNT) Schrotschusscharakter.
• Schrotschuss ("hit hard and early"), weil wir n i e wissen, w e l c h e Patienten von den v i e l e n Männern und Frauen, die diese Medikamente einnehmen, überhaupt profitieren werden.
• Hüftschuss, weil der ungezielte Schuss aus der Hüfte ("fire and forget"), ohne groß nachzudenken, typisch "Gringo"-mäßig ist.
• Kopfschuss, weil ACC und AHA in Panik geraten sind. Denn die großen Statin/Ezetemibe-Interventions-Studien bekommen wegen der unscharfen NNT die notwendigen 1A Evidenzgrade nicht -mit dieser Begründung könnte die Pharmaindustrie das Zeug dann auch ins Trinkwasser kippen.

"Treat to target", "the lower the better", "step-up" oder "step down" sind "out" - "forget to think" ist dagegen "in". Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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