Ärzte Zeitung, 04.09.2007

Kardiologen fordern stärkere Lipidsenkung bei KHK

In der Praxis verfehlen knapp 70 Prozent der KHK-Patienten den LDL-Zielwert von unter 100 mg/dl  /  Neue Daten aus Österreich

WIEN (HR). In der Wissenschaft geht der Trend immer weiter nach unten. In der täglichen Praxis jedoch kommen die Kollegen zum Nachteil ihrer Patienten seit Jahren nicht nach. Das ist, auf den einfachsten Nenner gebracht, die Situation, wenn es um KHK-Patienten und deren LDL-Cholesterinspiegel geht.

Unter 100 mg/dl sollte der LDL-Wert nach den alten Leitlinien bei Hochrisiko-Patienten liegen, bei Patienten mit Diabetes und einer KHK sogar unter 70 mg/dl. Wie sehr im Alltag diese Grenzen verfehlt werden, ist am Samstag bei einem der Auftakt-Symposien zum Kongress der European Society of Cardiology in Wien erneut heftig beklagt worden.

In Österreich zum Beispiel, so berichtete Professor Gerald Maurer von der Universität Wien, hat eine Überprüfung der Daten von mehr als 6000 Patienten ergeben, dass nur bei 30,8 Prozent von ihnen die Zielwerte erreicht wurden. Sieben von jeweils zehn Patienten waren also unterversorgt. Der Durchschnittswert, gerechnet auf alle Patienten, lag bei 126 mg/dl. Alle hatten eine Monotherapie mit einem Statin bekommen. Österreich steht hier nur als Beispiel für die meisten Länder Europas und für die USA. Dort ist die Situation nicht grundlegend anders.

Ob und wie weit das Ergebnis in Österreich auf zu niedrige Dosierungen der Statine zurückzuführen ist, gab Maurer nicht bekannt. Aber auch wenn die Dosierungen nicht optimal gewesen sind: Die starken LDL-Senkungen, wie sie nach den Erkenntnissen der Forscher nötig sind, wären mit einer Kombinationstherapie viel leichter zu erzielen.

Empfohlen wird dabei, wie zu erwarten, die Kombination aus zwei Mitteln mit unterschiedlichen und sich ergänzenden Mechanismen: einem Hemmer der Cholesterinsynthese in der Leber und einem Hemmer der Cholesterin-Resorption im Darm. Genauer: die Kombination aus Simvastatin und der Substanz Ezetimib (Inegy®). Wobei für diese Arzneikombination bereits eine Menge Studien vorliegen, wonach die Kombitherapie jeder Monotherapie überlegen ist.

Aber wie tief ist tief genug? In den vergangenen Jahren sind die Zielwerte in den Empfehlungen immer wieder gesenkt worden. Von anfangs 130 mg/dl auf 100 mg/dl und sogar auf etwa 70 mg/dl. Und immer haben die Patienten, wenn sie denn so behandelt worden sind, davon profitiert. Und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Bis jetzt, sagt Professor Christopher Cannon von der Harvard-Universität in Boston in den USA, kann man nur eins sagen: Je tiefer, je besser!

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