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Bleiben Sie ruhig

Mit Wut im Bauch schneller zum Herzinfarkt

Wenn die Seele kocht, geraten auch Herz und Gefäße unter Dampf. Das kann schlecht ausgehen, wie eine US-Analyse zeigt: Wutausbrüche erhöhen die Gefahr für einen Infarkt - zumindest kurzzeitig.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Für das Herz ist diese Gemütsverfassung nicht die beste.

Für das Herz ist diese Gemütsverfassung nicht die beste.

© Phototom / fotolia.com

BOSTON. Gerät der Mensch in emotionale Erregung, gewinnt der Sympathikus im vegetativen Nervensystem die Oberhand bei der Regulierung körperlicher Funktionen. Vermehrt ausgeschüttete Katecholamine treiben Herzfrequenz und Blutdruck in die Höhe.

Die Aktivierung prothrombotischer Mechanismen in Verbindung mit einer eingeschränkten fibrinolytischen Kapazität beeinträchtigen womöglich die Fließeigenschaften des Blutes.

Das Herz benötigt für die bei emotionalem Stress zu leistende Mehrarbeit auch mehr Sauerstoff. Vor allem bei vorgeschädigten Koronararterien kann es aber ausgerechnet in dieser Situation zu einer verminderten Durchblutung des Myokards kommen.

Die veränderte Hämodynamik begünstigt möglicherweise eine Ruptur von instabilen Koronarplaques - mit potenziell katastrophalen Folgen.

Daten von neun Studien kombiniert

All das nährt den Verdacht, dass Wutausbrüche auf die Liste der Trigger für Herzinfarkt und Schlaganfall zu setzen sind. Und dieser Verdacht hat sich in einzelnen Studien wiederholt bestätigt.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Murray A. Mittleman aus Boston sah nun die Zeit für gekommen, die Daten der einschlägigen Einzelstudien in einer Metaanalyse einmal systematisch auszuwerten (Eur Heart J 2014, online 3. März).

Am Ende ihrer umfangreichen Literatursuche blieben neun Studien übrig, die nach Auffassung der US-Forscher aufschlussreiche Daten zum Zusammenhang zwischen Zornesausbrüchen und kardiovaskulären Ereignissen zu bieten hatten.

Die kardiovaskulären Ereignisse, die auf ihren möglichen Zusammenhang mit Wutanfällen untersucht werden sollten, umfassten 4546 Herzinfarkte, 462 Fälle von akutem Koronarsyndrom, 590 ischämische und 215 hämorrhagische Schlaganfälle sowie 306 Fälle von Arrhythmien.

Wie die Analyse ergab, war in den ersten zwei Stunden nach einem Wutausbruch das Risiko für Herzinfarkte und andere akute Koronarereignisse im Vergleich zu Zeiten innerer Ruhe und Ausgeglichenheit signifikant um nahezu das Fünffache (4,74) höher.

Das Risiko für ischämische Schlaganfälle zeigte sich tendenziell um das Drei- bis Vierfache (3,62) erhöht. Auch für Rupturen von intrakraniellen Aneurysmen sowie für Arrhythmien bestand vorübergehend ein erhöhtes Risiko.

Absolutes Risiko ist aber niedrig

Allerdings ist die relative Risikoerhöhung numerisch beeindruckender als das absolute Risiko eines Individuums. So errechneten Mittleman und seine Kollegen, dass absolut betrachtet bei einem monatlichen Wutanfall pro 10.000 Personen mit niedrigem kardiovaskulärem Risiko (10-Jahresrisiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei 5 Prozent) nur ein zusätzliches Ereignis wie Herzinfarkt oder Schlaganfall pro Jahr anfallen würde. Läge das kardiovaskuläre 10-Jahresrisiko bei 20 Prozent, käme man auf vier zusätzliche Ereignisse.

Cholerisch veranlagte Charaktere, bei denen sich die Wutanfälle nur so häufen, sowie Personen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen unterliegen im Vergleich dazu einem deutlichen höheren absoluten Risiko.

Fünf Wutausbrüche pro Tag würden demnach bereits 158 zusätzliche kardiovaskuläre Ereignisse pro 10.000 Personen mit niedrigem kardiovaskulärem Risiko zur Folge haben.

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