Kardiologie

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Modul: Akute und chronische Herzinsuffizienz

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Ärzte Zeitung, 10.11.2005

Jede dritte Herzinsuffizenz durch verdickte Herzkammer

Luftnot und Lungenstauung trotz normaler systolischer Herzfunktion / Bestimmung des natriuretrischen Peptides führt zur Diagnose

MÜNCHEN (wst). Ein alter Patient in einer Hausarztpraxis klagt über Luftnot schon bei geringer Anstrengung, und es sind deutliche Zeichen von Wasser in der Lunge zu hören. Durch die Therapie mit Diuretika und Nitraten läßt sich die Situation rasch verbessern. Der später bei einem Kardiologen erhobene Befund ergibt jedoch nicht die erwartete systolische Funktionsstörung: die Auswurffraktion ist normal. Dann kommt als Ursache eine diastolische Dysfunktion in Frage.

Daran hat Privatdozent Dr. Carsten Tschöpe von der Charité in Berlin bei einer Veranstaltung in München erinnert. Den Angaben des Kardiologen zufolge werden bis zu 30 Prozent aller Herzinsuffizienzen durch eine isolierte diastolische Dysfunktion verursacht.

Bei 25 Prozent aller Hypertoniker, bei fast allen langjährigen Diabetikern und bei vielen KHK-Patienten fänden sich zumindest erste Zeichen einer diastolischen Funktionsstörung. Mit diastolischer Dysfunktion wird ein hämodynamisch relevantes Relaxationsdefizit des linken Ventrikels bezeichnet.

Als Folge einer Hypertonie-bedingten Verdickung der Ventrikelwände oder durch Diabetes-begünstigte Fibrose des Myokards kann sich die linke Herzkammer nicht mehr regelrecht dehnen. Obwohl die Kontraktion bei der Echokardiographie weitgehend normal erscheint, läßt die Herzleistung nach, zumal das von der Lunge kommende Blut nicht mehr in physiologischem Ausmaß in die linke Kammer fließen kann. Es staut sich zurück bis in die Lunge. Die Auswurffraktion kann bei der echokardiographischen Untersuchung noch lange Zeit unauffällig sein.

Als wichtiges Indiz für eine diastolische Dysfunktion gilt jedoch eine Veränderung der dopplersonographisch über der Mitralklappe gemessenen Strömungsverhältnisse. Allerdings ist die Aussagekraft von solchen Messungen mit einer Spezifität und Sensitivität von nur etwa 70 Prozent beschränkt.

Praktikabler ist deshalb für Tschöpe die Bestimmung des Wertes für das B-Typ natriuretischen Peptids (BNP) im Blut. Dieser Wert steige auch schon bei diastolischer Dysfunktion, sagte der Kardiologe bei der von AstraZeneca unterstützten Veranstaltung.

Besteht jedoch Luftnot, ist im Echokardiogramm die Auswurffraktion normal und auch der BNP-Wert unauffällig, deute vieles auf eine pulmonale Ursache der Beschwerden hin, so Tschöpe.

Behandlungsleitlinien bei isolierter diastolischer Dysfunktion gebe es noch nicht, sagte der Kardiologe. Eine Optimierung der Therapie gegen die Grunderkrankungen wie bestmögliche Blutdruck- und Zuckerstoffwechseleinstellung ist jedoch in keinem Fall verkehrt.

Und aus dem Preserved-Arm der CHARM-Studie mit Candesartan gebe es Hinweise, daß eine Sartan-Therapie die Hospitalisationsrate und Komplikationsrate von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, aber erhaltener linksventrikulärer Auswurffraktion reduzieren kann.

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