Ärzte Zeitung online, 14.02.2017
 

Vorhofflimmern

Weniger Leberschäden unter DOAK

Unter Therapie mit einem direkt wirksamen oralen Antikoagulans treten ein Drittel bis die Hälfte weniger Leberschäden auf als unter Vitamin-K-Antagonisten. Darauf deutet eine Analyse bei Patienten mit Vorhofflimmern.

Von Thomas Müller

Weniger Leberschäden unter DOAK

Viele Arzneimittel können bei Langzeittherapie die Leber schädigen.

© Printemps / fotolia.com

ATLANTA. Mit der Einführung der neuen direkt wirksamen oralen Antikoagulanzien (DOAK) gab es Befürchtungen, die Medikamente könnten verstärkt der Leber schaden. So wurde der direkte Thrombin-Hemmer Ximelagatran im Jahr 2006 nach Berichten über Leberschäden vom Markt genommen und in den USA erst gar nicht zugelassen.

Einige Fallberichte über Leberschäden unter Rivaroxaban weckten weitere Zweifel an der Sicherheit der neuen Arzneien.

Bei den derzeit erhältlichen DOAK gab es in klinischen Untersuchungen zwar keine klaren Hinweise auf eine Lebertoxizität, allerdings treten solche Schäden in Studien nur selten auf, sodass sich das Risiko nur schwer ermitteln lässt.

Analyse gibt Entwarnung

Eine große Analyse von Versichertendaten gibt nun aber Entwarnung: Danach kommen Leberschäden bei Patienten mit Vorhofflimmern unter DOAK sogar deutlich seltener vor als unter VKA (Heart 2017; online 5. Januar).

Für die Analyse hat ein Team um Dr. Alvaro Alonso von der Emory University in Atlanta eine MedicareDatenbank und ein Register von Personen durchforstet, die über ihre Arbeitgeber privatversichert waren.

Sie berücksichtigten Angaben zu Versicherten zwischen November 2011 – damals wurde Rivaroxaban in den USA eingeführt – und Dezember 2014. Anhand der ICD-Diagnosen identifizierten sie knapp 114.000 Patienten mit nichtvalvulärem Vorhofflimmern, die in diesem Zeitraum eine Therapie mit Antikoagulanzien begonnen hatten, bisher nicht mit Leberschäden hospitalisiert worden waren und seit mindestens drei Monaten in den Datenbanken registriert waren.

960 Klinikeinweisungen

Rund die Hälfte hatte eine Behandlung mit dem VKA Warfarin begonnen, 27 Prozent bekamen Rivaroxaban, 15 Prozent Dabigatran und 8 Prozent Apixaban. Im Schnitt waren die Patienten unter VKA älter (71 versus 68 Jahre) und häufiger weiblich (41 versus 37 Prozent), zudem hatten sie höhere CHA2DS2-VASc- und HAS-BLED-Scores und häufiger Komorbiditäten.

Im Mittel lagen für 14 Monate nach Beginn der Antikoagulation Angaben vor, in dieser Zeit identifizierten die Ärzte um Alonso 960 Klinikeinweisungen aufgrund von Leberschäden, was einer Inzidenz von 7,3 Ereignissen auf 1000 Patientenjahre entspricht. Zu den Leberschäden zählten sie etwa eine gestörte Bilirubin-Exkretion, eine hepatische Enzephalopathie, eine Hepatitis, Gelbsucht oder eine Lebernekrose. Auch nicht näher bestimmte Leberschäden flossen in die Analyse ein.

Metaanalysen bestätigt

Am höchsten war die Inzidenz unter Warfarin mit 9,0 durch Leberschäden bedingten Klinikeinweisungen auf 1000 Patientenjahre, gefolgt von 6,6 Ereignissen unter Rivaroxaban sowie 5,6 unter Apixaban und 4,0 unter Dabigatran.

Wurden nun Alter, Geschlecht, Komorbiditäten, Alkoholmissbrauch und andere Risikofaktoren für Leberschäden berücksichtigt, ergab dies eine um 43 Prozent reduzierte Rate unter Dabigatran im Vergleich zu Warfarin; 30 Prozent und 12 Prozent geringer waren die Raten mit Apixaban und Rivaroxaban. Mit Dabigatran lag der Anteil mit Leberschäden nach diesen Berechnungen auch signifikant niedriger als unter Rivaroxaban, nicht aber als unter Apixaban.

Die Resultate bestätigen Ergebnisse von Metaanalysen klinischer Studien, in denen es keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Leberschäden unter DOAK gab, berichten Alonso und Mitarbeiter.

Bias lässt sich nicht ausschließen

Dass Dabigatran offenkundig mit dem niedrigsten Risiko für diese Probleme einhergeht, sei eine wichtige Information für Patienten mit einem erhöhten Risiko für Leberschäden, etwa solche mit einer bestehenden hepatobiliären Erkrankung.

Ein Bias lässt sich mit der Untersuchung jedoch nicht ausschließen: Möglicherweise haben Ärzte vor allem solchen Patienten Warfarin verschrieben, die ein erhöhtes Risiko für Leberschäden hatten, weil sie den DOAK nicht trauten oder durch negative Fallberichte alarmiert wurden. Dies könnte das Ergebnis trotz aller Adjustierungen etwas verzerrt haben, geben auch die Studienautoren um Alonso zu.

Ergebnisse einer großen Analyse

- Bei 114.000 Patienten mit nichtvalvulärem Vorhofflimmern, die eine Therapie mit Antikoagulanzien erhielten, gab es 960 Klinikeinweisungen aufgrund von Leberschäden.

- Am höchsten war die Inzidenz unter Warfarin mit 9,0 durch Leberschäden bedingten Klinikeinweisungen auf 1000 Patientenjahre, gefolgt von 6,6 Ereignissen unter Rivaroxaban, 5,6 unter Apixaban und 4,0 unter Dabigatran.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »

Jamaika – Paritätische Finanzierung ist vom Tisch

Ein neues Sondierungspapier zeigt: Die potenziellen Jamaika-Partner suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in der Gesundheitspolitik. mehr »