Laufroboter trainiert Schlaganfall-Patienten

BERLIN (dpa). Es ist vielleicht noch eine unheimliche Vorstellung, dass ein Roboter teilweise gelähmten Menschen wieder das Laufen beibringt. Doch es ist keine Zukunftsmusik mehr. Im Berliner Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik greift eine intelligente Maschine Patienten nach einem schweren Schlaganfall unter die Arme und kann mit ihnen sogar Treppensteigen üben.

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Der "Haptic Walker" ist eine marktreife Entwicklung von Ärzten der Uniklinik Charité, Ingenieuren der Technischen Universität und Fraunhofer-Experten. Noch ist die Maschine ein Prototyp in der gläsernen Versuchshalle des Fraunhofer-Instituts. Doch die Wissenschaftler sind optimistisch, dass sich Investoren finden und das fast eine Tonne wiegende, zimmergroße Gerät bald in deutschen Reha-Kliniken stehen kann.

"Treppen steigen simulieren kann nur unser Lauftrainer"

Technisch gesehen liegt die Maschine an einer Schnittstelle zwischen Robotik, Produktions- und Medizintechnik. Der Patient hängt an einer Art Fallschirmgurt in einem Stahlgestell. Seine Füße stehen auf schuhkartongroßen Platten, die - von starken Motoren und einer Spezialsoftware gesteuert - alltägliche Laufsituationen imitieren: das Gehen in der Ebene, Stolpern, Ausrutschen oder Treppensteigen. Fortgeschrittene können sogar die Bewegungen für das Radfahren oder für Skilanglauf einstellen lassen.

Durch die künstlichen Fußbewegungen werden die schlaffen Muskeln zwischen Zehen und Hüften zwangsläufig wieder aktiviert. Ziel sei es, die Bewegungen so natürlich wie möglich nachzuahmen, erläutert Professor Stefan Hesse, Spezialist für Neurologische Rehabilitation. "Es gibt berechtigte Träume, das Gehirn anzuregen, ein verlorenes Bewegungsmuster auf diese Weise wieder zu lernen", sagt er. Es gebe weltweit verschiedene Technik-Ansätze, ein gelähmtes Bein wieder zu trainieren. Bei einer werden Patienten sogar in eine Art Ritterrüstung gesteckt, in der spezielle Reha-Technik dann die Muskeln anregt. "Treppen steigen simulieren kann aber nur unser Lauftrainer", betont Hesse.

TU-Ingenieur Dr. Jörg Krüger hat früher Roboter für die Autoproduktion konstruiert. "Der Mensch ist aber viel komplizierter", betont er. Allein die Hardware des "Haptic Walkers" erforderte zwei Jahre Tüftelei - bis hin zum Not-Ausschaltknopf für Patienten. Für die Software setzte Krüger mit einem Fraunhofer-Team Laufbewegungen von Menschen in ein Computerprogramm um. Charité-Ärzte unterstützen die Techniker mit ihrer Erfahrung aus der Rehabilitation. "Es ist ein anderer Anreiz", betont Krüger. "Es geht um konkrete Hilfe für Menschen. Bei der Automontage ging es eher um den Wegfall von Arbeitsplätzen."

Auf dem Prototyp können in der Testphase auch Patienten nach einer Teil-Querschnittlähmung oder nach einem Schädel-Hirn-Trauma trainieren. In Serie gebaut würde der "Haptic Walker" fast 300 000 Euro kosten, vermutet Hesse.

Das Team aus Ingenieuren und Ärzten hat bereits die nächste Idee. Mit einer Art Cyber-Brille und Filmaufnahmen aus der eigenen Wohnung könnte ein teilweise gelähmter Mensch in einer virtuellen Welt auf dem Laufroboter üben - und später zuhause besser klarkommen.

Weitere Infos im Internet unter www.hapticwalker.de

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