Ärzte Zeitung, 23.02.2010

Headbanging: Haare fliegen, Gefäße können reißen

Heavy-Metal-Konzerte schaden nicht nur durch die Lautstärke der Musik

BAD HOMBURG (ner). Kopfschmerzen nach einem Heavy-MetalKonzert sind nicht immer nur auf Alkohol und laute Musik zurückzuführen. Das "Headbanging" der Fans kann arterielle Dissektionen und ischämische Insulte auslösen.

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Headbanging: Haare fliegen, Gefäße können reißen. © Andreas Gradin / fotolia.com

Diese Beobachtung mussten jedenfalls Dr. Sven Ehrlich und Kollegen vom Fachkrankenhaus Hubertusburg in Wermsdorf machen. Sie berichteten bei der Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin (ANIM) in Bad Homburg über zwei junge Männer, die - unabhängig voneinander - nach Heavy-Metal-Konzerten akute Hirnstammsymptome entwickelten.

Ein 25-jähriger Patient hatte zunächst ein seit einigen Tagen bestehendes Kältegefühl in der rechten Hand bemerkt sowie Sensibilitätsstörungen an der Kuppe des dritten Fingers rechts. Am Tag der stationären Aufnahme bestand eine fluktuierende Hemiparese rechts mit Dysarthrie, Sehstörung und Schwindel sowie Vigilanzstörungen. Die MRT ergab eine lakunäre Ischämie im linken Thalamus. Nach der extrakranialen Dopplersono wurde der Verdacht auf eine Dissektion der linken A. vertebralis geäußert.

Der zweite Patient war 18 Jahre alt. Er hatte zwei Wochen vor stationärer Aufnahme kurz hintereinander zwei Live-Konzerte mit Headbanging "begleitet". Am Aufnahmetag klagte er über Doppelbilder, Schmerzen bei Bulbusbewegungen und konnte sich nicht an den vorherigen Tag erinnern. Es bestanden Augenmuskelparesen, die den N. oculomotorius beidseits und den N. abducens rechts betrafen. Er hatte eine Hirnstammischämie als Folge der Dissektion der rechten Arteria carotis interna.

Die beiden jungen Männer wurden auf der Stroke Unit behandelt und jeweils vollheparinisiert. Sie erhielten später prophylaktisch Plättchenhemmer für jeweils ein halbes Jahr. Beide erholten sich rasch und vollständig, so Ehrlich zur "Ärzte Zeitung".

Äußere Traumata, Strangulationen, iatrogene Manöver und sportliche Betätigung werden gewöhnlich als Ursachen traumatischer Gefäßdissektionen aufgezählt. Die schnellen Vor- und Rückwärtsbewegungen des Kopfes beim Headbanging haben nach Meinung von Ehrlich und Kollegen bei entsprechender Disposition offenbar ähnliche Folgen.

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