Ärzte Zeitung, 25.10.2006

Akuter Waden-Schmerz plus Krebs erhärtet Verdacht auf Thrombose

Häufig ambulante Therapie möglich / Bei Dyspnoe ist Klinikeinweisung indiziert

POTSDAM (gvg). Der Verdacht auf eine Thrombose erhärtet sich, wenn bei einem Patienten mit spontan auftretendem Schmerz in der Wade Kriterien wie Krebserkrankung oder lange Flugreise zutreffen. Hat dieser bereits eine starke Schwellung am Bein oder gar eine Dyspnoe als Zeichen einer Lungenembolie, ist eine Einweisung in die Klinik indiziert.

Ultraschallbild der Vena femoralis (VF). Binnenechos im Lumen (Pfeile) zeigen eine Thrombose an. Foto: Professor Christoph F. Dietrich

Bei Verdacht auf eine Thrombose sei es ratsam, sich zunächst an der "klinischen Wahrscheinlichkeit" zu orientieren, sagte Professor Viola Hach-Wunderle beim Deutschen Hausärztetag in Potsdam. Das Risiko ist hoch, wenn für die Patienten bestimmte Charakteristika zutreffen:

  • Thrombosen in der Anamnese,
  • charakteristische klinische Zeichen wie Beinödeme, Spannungsgefühl oder Zyanose,
  • schwere Grunderkrankungen wie Tumoren, die noch aktiv sind oder in den vergangenen sechs Monaten aufgetreten sind,
  • typische Risiken wie lange Flugreisen oder Immobilisierung, etwa durch schwere Herzinsuffizienz oder Schlaganfall mit Lähmung.

Seien bei einem Patienten eines oder mehrere dieser Kriterien erfüllt, so müsse sofort eine Kompressionsultraschalluntersuchung (KUS) erfolgen, sagte die niedergelassene Internistin aus Frankfurt am Main. Ist eine Thrombose nach diesen klinischen Kriterien unwahrscheinlich, dann können Kollegen sich absichern, indem sie im Labor den D-Dimer-Wert bestimmen lassen. "Liegt dieser über der Normgrenze, sollte eine KUS folgen", so Hach-Wunderle. Bei einem unklaren KUS-Befund, ist eine Phlebographie indiziert.

"In die Klinik eingewiesen werden sollten in erster Linie Thrombose-Patienten mit ausgeprägter lokaler Schwellung, mit den Symptomen einer Lungenembolie, etwa plötzliche Dyspnoe, Thoraxschmerz und Synkopen, mit hohem Blutungsrisiko oder mit schweren Begleiterkrankungen wie Malignomen", so Hach-Wunderle.

Patienten mit mangelnder Compliance für eine Therapie seien ebenfalls Kandidaten für das Krankenhaus. Das betonte die Kollegin bei einem Symposium zur Verleihung der René-Schubert-Medaille. Diese Auszeichnung hat das Unternehmen Sanofi-Aventis für das niedermolekulare Heparin Enoxaparin (Clexane®) bekommen.

Die meisten Thrombosepatienten könnten heute mit niedermolekularen Heparinen ambulant versorgt werden. Die Substanzen seien nach den Ergebnissen vieler Studien unfraktioniertem Heparin überlegen. Die Dosierung richtet sich nach Körpergewicht und Nierenfunktion. Hach-Wunderle: "Kontrollen des Anti-Xa-Titers sind nur bei Schwangeren und bei Patienten mit Niereninsuffizienz nötig." Die orale Antikoagulation kann gleich begonnen werden. Beendet wird sie, wenn ein INR (International Normalized Ratio)-Wert von zwei bis drei erreicht ist.

STICHWORT

D-Dimer-Wert

D-Dimere sind Fibrinspaltprodukte, die bei der Fibrinolyse entstehen. Bei einer Blutkonzentration von weniger als 500 µg / l gilt eine Thrombose als sehr unwahrscheinlich. Ein erhöhter Wert (> 500 µg/l) ist bei einem thrombotischen Geschehen, aber auch bei entzündlichen Prozessen, bei Malignomen, Traumata sowie nach operativen Eingriffen nachweisbar. (eb)

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