Ärzte Zeitung online, 25.03.2014

Kontrazeption

Vorsicht mit Statinen und Antihypertensiva!

Immer mehr Frauen im reproduktionsfähigen Alter werden mit teratogenen Medikamenten wie Statinen oder spezifischen Antihypertensiva behandelt. Dabei ist unbedingt auf eine sichere Kontrazeption zu achten, ist jetzt beim Diabetes Update betont worden.

Vorsicht mit Statinen und teratogenen Antihypertensiva!

Wie hoch ist der Blutdruck? Viele Antihypertensiva erfordern bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter eine sichere Kontrazeption.

© Monika Wisniewska / fotolia.com

MAINZ. Bei Patientinnen, die aufgrund ihres Lebensalters noch schwanger werden können, muss bei der Verordnung von Statinen, Sartanen, ACE-Hemmern und Kalzium-Kanalblockern unbedingt auf eine sichere Verhütung geachtet werden, hat Dr. Helmut Kleinwächter vom diabetologikum in Kiel betont.

Nach seinen Erfahrungen wird darauf immer noch zu wenig geachtet. So werden viele Frauen mit Typ-2-Diabetes im reproduktiven Alter - häufig sind das Migrantinnen - von Hausärzten betreut.

In der Praxis werde dann oft die Medikation von Fachärzten wie Kardiologen, Nephrologen oder Diabetologen im guten Glauben übernommen.

Die Kontrazeption werde zudem im Verantwortungsbereich von Gynäkologen gesehen, so Kleinwächter beim Diabetes Update in Mainz. Werden die Frauen dann aber (ungewollt) schwanger, dann drohen Aborte, Fehlbildungen und perinataler Tod.

Der Diabetologe berichtete über eine britische Studie in Hausarztpraxen. Dort wurden von 470 Diabetikerinnen im Alter von 14 bis 49 Jahre 54 Prozent mit teratogenen Medikamenten behandelt, vor allem mit Statinen, ACE-Hemmern, Kalzium-Kanalblockern und Sartanen (Diabet Med 2013; 30: 457).

Nur 42 Prozent der Frauen hatten eine Kontrazeption. Besonders krass war das Missverhältnis bei den 316 Frauen mit Typ-2-Diabetes in der Studie: Von diesen bekamen 64 Prozent teratogene Medikamente, aber nur 43 Prozent nahmen eine Verhütung vor.

Kleinwächter betont: Bei Frauen im reproduktiven Alter muss regelmäßig abgeklärt werden, ob sie teratogene Medikamente bekommen. Zu achten ist dabei auf die "3 x Ko-Regel" (Komorbidität, Komedikation, Kontrazeption).

Ist dabei eine Dauermedikation aufgrund kardiovaskulärer Risiken unumgänglich, dann muss nachhaltig auf eine sichere Kontrazeption gedrängt werden.

Anders ist die Situation, wenn die Frauen noch einen Kinderwunsch haben. Dann ist bereits vor einer möglichen Konzeption die antihypertensive Medikation von ACE-Hemmern, Sartanen oder Kalzium-Kanalblockern auf Alpha-Methyldopa umzustellen; Statine sind bei Kinderwunsch abzusetzen. (eis)

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