Kontrazeption

Vorsicht mit Statinen und Antihypertensiva!

Immer mehr Frauen im reproduktionsfähigen Alter werden mit teratogenen Medikamenten wie Statinen oder spezifischen Antihypertensiva behandelt. Dabei ist unbedingt auf eine sichere Kontrazeption zu achten, ist jetzt beim Diabetes Update betont worden.

Veröffentlicht:
Wie hoch ist der Blutdruck? Viele Antihypertensiva erfordern bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter eine sichere Kontrazeption.

Wie hoch ist der Blutdruck? Viele Antihypertensiva erfordern bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter eine sichere Kontrazeption.

© Monika Wisniewska / fotolia.com

MAINZ. Bei Patientinnen, die aufgrund ihres Lebensalters noch schwanger werden können, muss bei der Verordnung von Statinen, Sartanen, ACE-Hemmern und Kalzium-Kanalblockern unbedingt auf eine sichere Verhütung geachtet werden, hat Dr. Helmut Kleinwächter vom diabetologikum in Kiel betont.

Nach seinen Erfahrungen wird darauf immer noch zu wenig geachtet. So werden viele Frauen mit Typ-2-Diabetes im reproduktiven Alter - häufig sind das Migrantinnen - von Hausärzten betreut.

In der Praxis werde dann oft die Medikation von Fachärzten wie Kardiologen, Nephrologen oder Diabetologen im guten Glauben übernommen.

Die Kontrazeption werde zudem im Verantwortungsbereich von Gynäkologen gesehen, so Kleinwächter beim Diabetes Update in Mainz. Werden die Frauen dann aber (ungewollt) schwanger, dann drohen Aborte, Fehlbildungen und perinataler Tod.

Der Diabetologe berichtete über eine britische Studie in Hausarztpraxen. Dort wurden von 470 Diabetikerinnen im Alter von 14 bis 49 Jahre 54 Prozent mit teratogenen Medikamenten behandelt, vor allem mit Statinen, ACE-Hemmern, Kalzium-Kanalblockern und Sartanen (Diabet Med 2013; 30: 457).

Nur 42 Prozent der Frauen hatten eine Kontrazeption. Besonders krass war das Missverhältnis bei den 316 Frauen mit Typ-2-Diabetes in der Studie: Von diesen bekamen 64 Prozent teratogene Medikamente, aber nur 43 Prozent nahmen eine Verhütung vor.

Kleinwächter betont: Bei Frauen im reproduktiven Alter muss regelmäßig abgeklärt werden, ob sie teratogene Medikamente bekommen. Zu achten ist dabei auf die "3 x Ko-Regel" (Komorbidität, Komedikation, Kontrazeption).

Ist dabei eine Dauermedikation aufgrund kardiovaskulärer Risiken unumgänglich, dann muss nachhaltig auf eine sichere Kontrazeption gedrängt werden.

Anders ist die Situation, wenn die Frauen noch einen Kinderwunsch haben. Dann ist bereits vor einer möglichen Konzeption die antihypertensive Medikation von ACE-Hemmern, Sartanen oder Kalzium-Kanalblockern auf Alpha-Methyldopa umzustellen; Statine sind bei Kinderwunsch abzusetzen. (eis)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neues und Wissenswertes rund um das Thema Schilddrüse

© Nerthuz / iStock

Kleines Organ ganz groß

Neues und Wissenswertes rund um das Thema Schilddrüse

Kooperation | In Kooperation mit: Sanofi-Aventis
PD Dr. Joachim Feldkamp (links), Internist und Endokrinologe vom Klinikum Bielefeld-Mitte und Prof. Dr. Markus Luster (rechts), Nuklearmediziner vom Uniklinikum Gießen-Marburg

© [M] Feldkamp; Luster; Sanofi-Aventis

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Bei erhöhtem TSH-Wert nicht gleich die Diagnostik-Maschinerie starten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Im Rahmen eines Festaktes in Berlin wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Springer Medizin Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Galenus-Preis und Charity Award: Das sind die Gewinner

Will beim 125. Deutschen Ärztetag Vizepräsident der Bundesärztekammer werden: Dr. Günther Matheis, Thoraxchirurg und Kammerchef Rheinland-Pfalz.

© Ines Engelmohr

Exklusiv Dr. Günther Matheis im Interview

„Hedgefonds werden auch im KV-System zu einem Problem“