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Gynäkologie

Sechs Maßnahmen, um eine Frühgeburt zu vermeiden

Die Rate der Frühgeburten ist in den letzten 30 Jahren gestiegen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Das Risiko lässt sich aber minimieren.

Von Judith Neumaier Veröffentlicht:
Die Mortalität ist auch bei späten Frühgeburten deutlich erhöht.

Die Mortalität ist auch bei späten Frühgeburten deutlich erhöht.

© Martin Valigursky/fotolia.com

MÜNCHEN. Sechs bis acht Prozent der Kinder in Europa kommen als Frühgeburt zur Welt.

Gründe für die Zunahme der Frühgeburtenraten sind die zunehmende Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften, das steigende Alter schwangerer Frauen und der Anstieg an Frauen mit Adipositas, erklärte Professor Daniel Surbek, Chefarzt an der Universitäts-Frauenklinik am Inselspital Bern.

Der Hauptgrund für den Anstieg der Frühgeburtenrate ist die Zunahme der iatrogenen Frühgeburten nach der 34. Schwangerschaftswoche.

Probleme bei Lungenreifung

Surbek wies darauf hin, dass die Morbidität und Mortalität auch bei späten Frühgeburten deutlich erhöht ist. Probleme gibt es vor allem bei der Lungenentwicklung, die bis zur 38. / 39. Woche andauern kann.

In der 35. Schwangerschaftswoche geborene Kinder haben immer noch ein um zwei- bis dreifach erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Neugeborenen, die termingerecht zur Welt kommen.

Verschiedene Faktoren tragen zur Steigerung der Frühgeburtlichkeit bei, einige davon können vermieden oder behandelt werden. Surbek fasste die sechs wichtigsten Maßnahmen zur Reduktion des Frühgeburtsrisikos zusammen:

- Die wichtigste Maßnahme ist der Verzicht auf Nikotin. Das Rauchen sollte idealerweise bereits vor Eintreten der Schwangerschaft eingestellt werden.

Mehrlingsschwangerschaften

- Eine Cerclage ist nicht mehr nur bei zwei oder mehr Spätaborten in der Anamnese indiziert, sondern nun auch bei Frauen mit nur einer Frühgeburt und zusätzlichem Vorliegen einer kurzen Zervix. Auch für die Notfallcerclage bei bereits leicht geöffnetem Muttermund ist die Wirksamkeit nachgewiesen.

- Ein relativ einfacher und guter prädiktiver Marker ist die Zervixverkürzung, die im Ultraschall erkennbar ist. Eine Progesteron-Therapie kommt infrage bei schwangeren Frauen mit asymptomatischer Zervixverkürzung sowie bei Frauen, die bereits eine Frühgeburt hatten. Sie kann das Frühgeburtsrisiko um etwa 50 Prozent reduzieren, bei geringem Nebenwirkungsrisiko.

- Die Reduktion nicht medizinisch indizierter iatrogener Frühgeburten durch eine ASS-Prophylaxe zur Prävention der Präeklampsie kann bei Risikopatientinnen, die bereits in einer vorhergehenden Schwangerschaft eine Präeklampsie entwickelt haben, das Frühgeburtsrisiko ebenfalls um etwa 50 Prozent reduzieren.

bakteriellen Vaginose

Inzwischen ist bekannt, dass auch eine aerobe Vaginitis und eine abnorme Vaginalflora das Risiko für eine Frühgeburt steigert. Eine Cochrane Metaanalyse hat ergeben, dass die alleinige Behandlung bakterieller Vaginosen das Frühgeburtsrisiko kaum senken kann.

Behandelt man dagegen auch Patientinnen mit aerober Vaginitis oder abnormer Vaginalflora, zum Beispiel mit Breitspektrumantibiotika, dann führte dies in Studien zu einer Reduktion der Frühgeburtlichkeit um fast 50 Prozent.

Surbek wies darauf hin, dass daher ein breiteres Screening und eine breitere Therapie als bisher erforderlich seien.

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