Ärzte Zeitung online, 24.03.2017

Präkonzeptionelle Beratung

Kinderwunsch: Folsäure substituieren!

Präkonzeptionelle Beratung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dazu gehört auch eine ausreichende Versorgung mit Folsäure, und zwar rechtzeitig vor der Konzeption. Denn niedrige Folsäurespiegel in den ersten Schwangerschaftswochen können folgenschwer sein.

Von Beate Fessler

DÜSSELDORF. Damit ein Kind gesund zur Welt kommt, lässt sich präkonzeptionell schon einiges tun. Dr. Thilo Gröning, Gynäkologe aus Moers, betonte die zunehmende Relevanz der präkonzeptionellen Beratung angesichts des steigenden Durchschnittsalters werdender Mütter und des immer höheren Anteils an Frauen mit Übergewicht und Adipositas.

Frauen im gebärfähigen Alter sollten deshalb in der gynäkologischen Praxis regelmäßig auf einen Kinderwunsch angesprochen werden, um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Pfeiler der präkonzeptionellen Beratung sind dann Risikoerkennung, Gesundheitsberatung (Ernährungsberatung, Bewegung etc.) sowie konkrete Interventionen wie Auffrischimpfungen.

Zu den wichtigsten präkonzeptionellen Maßnahmen gehört die Substitution von Folsäure. "Das sollte drei bis sechs Monate vor Kinderwunsch besprochen werden", so Gröning bei einer von dem Unternehmen Merck Selbstmedikation unterstützten Veranstaltung. Die Einnahme sollte dann möglichst schon vor Absetzen der Kontrazeption begonnen werden.

Dabei geht es nicht nur darum, das Risiko für Neuralrohrdefekte zu senken, die sich bereits zwischen Tag 22 und 28 der Schwangerschaft entwickeln, und Plazentainsuffizienz und Präeklampsien zu reduzieren. Folsäuremangel trägt auch zu einer suboptimalen Gametogenese, Fertilisation, Implantation, und Plazentation bei. Wichtig ist eine adäquate Versorgung deshalb auch im Vorfeld einer Kinderwunschbehandlung, so Professor Peter Licht vom Kinderwunschzentrum Nürnberg.

Der Experte empfiehlt präkonzeptionell 400 μg Folsäure über mindestens drei Monate oder 800 μg Folsäure über mindestens einen Monat. Ein Metafolin®-haltiges Präparat sei zumindest bei Frauen mit MTHFR-Mutation erforderlich, die Folsäure nicht ausreichend verstoffwechseln. Als Screeningparameter für eine ausreichende Versorgung eigne sich Homocystein. Werte > 12 μmol/L zeigen einen Folsäuremangel an.

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