Ärzte Zeitung, 07.12.2005

Schützen Hormone vor dem Altern?

Diskussion zu Hormonersatz und Anti-Aging-Therapien

MÜNCHEN (sto). Cremes, Schönheitsdiäten, Hormontabletten übers Internet - um Alterserscheinungen vorzubeugen oder zu vertuschen, greifen vor allem Frauen zu allem möglichen. Zu den wenigen Substitutionstherapien mit belegter positiver Wirkung auf Leistungsfähigkeit, Hautbild und Körperfunktionen gehört eine Thyroxinsubstitution bei Hypothyreose, sagt Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Krankenhaus München-Bogenhausen.

Bei Frauen ab 50 ist die Überprüfung der Schilddrüsenfunktion wichtig, da ab diesem Lebensalter die Prävalenz einer autoimmunbedingten Schilddrüsenentzündung, der häufigsten Ursache einer Hypothyreose, deutlich zunimmt. Darauf wies Schumm-Draeger bei einer Veranstaltung zu Anti-Aging und Gesundheit in München hin, zum dem das Forum Frauengesundheit des Bayerischen Gesundheitsministeriums eingeladen hatte.

Auch bei milder Hypothyreose (TSH erhöht, Hormone im Normbereich) könnten Leistungsfähigkeit und Körperfunktionen eingeschränkt sein. Dann sei eine Substitution mit Schilddrüsenhormonen indiziert, die dann auch erfolgversprechender sei als die in Hochglanz-Magazinen angepriesenen Anti-Aging-Mittel.

Eine Hormonersatztherapie in Meno- und Postmenopause mit Östrogenen und Gestagenen sollte nur bei starken Beschwerden in Betracht gezogen werden, so Schumm-Draeger. Für eine solche Therapie nach dem Gießkannenprinzip, auch um kardiovaskulären Krankheiten vorzubeugen, gebe es keine gesicherten Daten.

Und was ist mit Dehydroepiandrosteron (DHEA)? In jüngster Zeit wird über eine Androgen-Substitution für Frauen diskutiert, etwa bei chronischer Müdigkeit oder Libidoverlust (wir berichteten).

Bis heute sei die biologische Rolle von DHEA noch nicht ganz geklärt. In Studien sei bei Frauen mit Morbus Addison belegt worden, daß DHEA die physische und psychische Leistungsfähigkeit und die Libido steigere, so Schumm-Draeger. In Europa sei DHEA für Frauen nicht zugelassen.

Bei zu hoher Dosierung könne es zu Akne oder vermehrtem Körperhaarwuchs kommen. Wachstumshormone haben nach Angaben von Schumm-Draeger bei Gesunden keine Anti-Aging-Effekte. Auch Melatonin, das kurzfristig bei Schlafstörungen, Schichtarbeit oder Interkontinentalflügen sinnvoll sein könne, sei als Anti-Aging-Medikation ungeeignet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Viele Gesundheitspolitiker verteidigen ihr Mandat

Die Großwetterlage hat sich verändert. Doch viele Fachpolitiker schaffen den Wiedereinzug ins Parlament. mehr »

Das Trauma nach der Loveparade

Das tödliche Gedränge bei der Loveparade im Sommer 2010 in Duisburg: Im ARD-Film "Das Leben danach" geht es um die Auswirkungen auf die traumatisierten Überlebenden. mehr »