Ärzte Zeitung, 10.02.2006

Ist eine befristete frühe HIV-Therapie nutzlos?

Pilotstudie mit Patienten mit hoher Virusmenge und akutem HIV-Infektionssyndrom / Therapie über ein halbes Jahr

MÜNCHEN (wst). Mit einer befristeten hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) die Virusmenge im frühen Stadium der akuten HIV-Infektion möglichst niedrig zu halten bringt offenbar nichts. Allerdings stehen Langzeitresultate mit harten Endpunkten noch aus.

Zwei bis acht Wochen nach einer Infektion mit HIV kommt es im Blut zu einem steilen Anstieg der Virusmenge, die im weiteren Verlauf auf ein Latenzniveau sinkt, wie Hendrik Streeck vom Universitätsklinikum Bonn auf einer vom Unternehmen Bristol-Myers Squibb unterstützten Veranstaltung bei den 11. Münchner AIDS-Tagen sagte.

Bei genauer Analyse fällt die Frühphase der Infektion bei etwa 80 Prozent aller Neuinfizierten durch ein akutes HIV-Infektionssyndrom auf. Die Patienten haben Fieber, Hautausschläge, orale Ulzera, Arthralgien, Pharyngitis, Lymphadenopathie und Appetit- und Gewichtsverlust sowie allgemeine Abgeschlagenheit und Symptome, die oft zuerst an eine infektiöse Mononukleose denken lassen.

Da eine überdurchschnittlich hohe initiale Virusmenge verschiedenen Untersuchungen zufolge für einen eher ungünstigen Krankheitsverlauf spricht, scheint die Strategie verlockend, bei HIV-Patienten, die schon in der Frühphase entdeckt wurden, die initiale Virusmenge mit einer befristeten HAART möglichst niedrig zu halten.

Um den Erfolg einer solchen Maßnahme zu prüfen, haben die Bonner Ärzte in einer Pilotstudie zwölf Patienten im akuten HIV-Infektionssyndrom ein halbes Jahr lang mit HAART behandelt. Dadurch wurde bei allen die Virusmenge wieder unter die Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml gedrückt. Acht Kontrollpatienten mit gleichen Eingangsvoraussetzungen wurden nur beobachtet.

Ein Jahr später und damit ein halbes Jahr nach Therapie-Ende war jedoch kein Nutzen der befristeten Therapie erkennbar: Die mediane Virusmenge lag bei den Patienten in der unbehandelten Gruppe bei 38 000 Kopien/ml und in der vorübergehend behandelten Gruppe bei 49 000 Kopien/ml. Auch die CD4- und CD8-Zellzahlen waren in beiden Gruppen ähnlich.

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