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Die HIV-Therapie ist einer der größten Erfolge in der Geschichte der Medizin - mittlerweile haben HIV-Patienten eine nahezu normale Lebenserwartung.

HI-Virus, schematische Darstellung. © S. Kaulitzki / fotolia.com

HI-Virus, schematische Darstellung. © S. Kaulitzki / fotolia.com

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Von Andrea Warpakowski

Die HIV-Therapie ist eine Erfolgsgeschichte. Dennoch gibt es nach wie vor Grenzen wie anhaltende chronische Entzündung, lebenslange gewissenhafte Einnahme der Medikamente, Langzeitnebenwirkungen und trotz wirksamer Therapie keine Eradikation des HI-Virus aus nicht zugänglichen Reservoiren. Die heutige antiretrovirale Therapie sei wirksamer, weniger toxisch und einfacher einzunehmen als die ersten Dreifachkombinationen der 90er Jahre, bestätigte Professor Joseph Eron aus Chapel Hill in North Carolina bei der Retroviruskonferenz in San Francisco. Es gibt nun mehr als 20 HIV-Medikamente für die initiale Therapie, nach Therapieversagen und für intensiv vorbehandelte Patienten. Moderne initiale Dreifachkombinationen können bei regelmäßiger Einnahme bei mindestens drei Viertel der Patienten langfristig die Virusvermehrung hemmen und die Viruskonzentration unter die Nachweisgrenze von 50 Kopien pro Milliliter Blut senken.

Doch trotz der hohen Potenz der Medikamente kann das HIV nicht aus dem Körper eliminiert werden. Auch das Immunsystem erholt sich bei vielen Patienten nicht vollständig. Die auch unter einer antiretroviralen Therapie anhaltende Immunaktivierung ruft eine chronische Entzündung hervor. Als Beleg für eine chronische Entzündung verwies Eron auf den Nachweis von Entzündungsmarkern wie hochsensitives C-reaktives Protein, Interleukin-6, Amyloid A und B und D-Dimer. Wie groß die Rolle der chronischen Entzündung bei den häufiger werdenden nicht-Aids-definierenden Erkrankungen bei behandelten HIV-Infizierten ist, kann Eron zufolge bisher nicht ausreichend erklärt werden. Dazu gehören unter anderen kardiovaskuläre Erkrankungen, metabolisches Syndrom, Krebs, Knochenfrakturen, Leber- und Nierenerkrankungen und frühzeitiges Altern.

Zum einen werden die HIV-Patienten mit einer wirksamen HIV-Therapie älter und entwickeln damit immer häufiger klassische Risikofaktoren für diese Erkrankungen. Zum anderen kann auch die antiretrovirale Therapie diese Erkrankungen hervorrufen oder verstärken. Auch eine lange nicht behandelte HIV-Infektion trage zu nicht-Aids-definierenden Erkrankungen bei, sagte Eron. Die geringsten Sterberaten werden erreicht, wenn die HIV-Infizierten bei einem noch relativ guten Immunstatus mit mindestens 350 CD4-Helferzellen pro Mikroliter mit der Therapie beginnen.

Von einer Versorgung mit HIV-Medikamenten wie in den Industrieländern sind die meisten ressourcenschwachen Länder noch weit entfernt. Zur Zeit werden in diesen Ländern vier Millionen HIV-Infizierte antiretroviral behandelt, davon 3,2 Millionen in Ländern südlich der Sahara. Weitere sechs Millionen warten auf eine initiale HIV-Therapie.

Dr. Peter Mugyenyi, Direktor des Joint Clinical Research Centre in Kampala in Uganda, berichtete bei der Konferenz, dass ressourcenschwache Länder häufig noch Medikamente einsetzen, mit denen in Industrieländern HIV-Patienten kaum noch behandelt werden, diese aber billig sind. Und der Verlauf der HIV-Therapie kann dort meistens nur klinisch bestimmt werden, Laboruntersuchungen zur Bestimmung der CD4-Zellzahl und der Virusmenge gibt es meist nicht. "Trotz all der Schwierigkeiten nehmen selbst HIV-Patienten mit weit fortgeschrittener Erkrankung lange Jahre erfolgreich die initiale Therapie ein, etwa die Hälfte der Patienten sogar länger als zehn Jahre", betonte Mugyenyi. Versagt die erste Therapie, gibt es für die nachfolgende Therapie so gut wie keine Option. Eine individualisierte Zweittherapie wie in den Industrieländern sei oft nicht möglich, und eine Dritttherapie gebe es gar nicht.

Ob HIV aus dem Körper entfernt werden kann, prüft Professor Johannes Bogner in München. Je 20 Patienten mit akuter und chronischer HIV-Infektion erhalten bis zu sieben Jahre lang gleichzeitig fünf HIV-Medikamente, die das Virus am Eintritt in die CD4-Zelle hindern, den Einbau des viralen Erbgutes in das Genom der Zelle verhindern und die HIV-Vermehrung in der Zelle hemmen. Die Chance, dass diese intensive Therapie ruhende Viren binnen sieben Jahren aus den Reservoiren eliminiert, liegt Bogner zufolge bei 50 zu 50: "Stellen wir uns einmal vor, das wäre der Weg zur Heilung und wir hätten es nicht einmal versucht."

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