Ärzte Zeitung online, 12.05.2017
 

"Kein Aids für alle"

Neue Kampagne für frühe HIV-Tests

Mit einer bundesweiten Kampagne will die Deutsche Aids-Hilfe zu möglichst frühen HIV-Tests motivieren.

Neue Kampagne für frühe HIV-Tests

Ohne HIV-Test und Diagnose bringen sich Infizierte um wirksame Therapien, die den Ausbruch von Aids verhindern.

© jarun011 / Fotolia

BERLIN. Das Motto "Kein Aids für alle" solle Männer und Frauen ansprechen, die ihr HIV-Risiko verdrängen oder sich aus Angst vor Ablehnung nicht zum Arzt trauen, teilte die Aids-Hilfe am Freitag in Berlin mit. Ohne HIV-Test und Diagnose bringen sich die Infizierten jedoch um wirksame Therapien, die den Ausbruch von Aids verhindern.

Analysen in 18 europäischen und nordamerikanischen Kohorten habenerst jüngst bestätigt, dass HIV-infizierte Menschen heute deutlich länger leben, als noch in den 1990er-Jahren oder zu Beginn dieses Jahrhunderts. Die Lebenserwartung kommt jener in der Gesamtbevölkerung sehr nahe, erreicht sie aber noch nicht ganz, wie in "The Lancet HIV" (2017; online, 10. Mai 2017) aktuell berichtet wurde. Ein 20-Jähriger, der nun eine antiretrovirale Therapie beginnt, wird schätzungsweise 74 Jahre alt.

Ziel der Kampagne sei, dass es in Deutschland ab dem Jahr 2020 keine Aids-Diagnosen mehr geben soll. Das wäre zehn Jahre früher als die Vereinten Nationen bisher anpeilen. Nach Ansicht der Aids-Hilfe stehen die Chancen für das "historische Ziel 2020" in Deutschland aber gut. Die Zahl der Neuinfektionen sei niedrig und Medikamente stünden in einem leistungsfähigen Gesundheitssystem zur Verfügung.

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) leben in Deutschland rund 12.600 Menschen unwissentlich mit dem HI-Virus. Die Mehrzahl von ihnen sind schwule Männer. Das Virus trifft aber nach wie vor auch bi- und heterosexuelle Männer und Frauen. Übertragen werden kann es zum Beispiel auch über gemeinsam genutztes Spritzbesteck von Drogenabhängigen.

Nach RKI Zahlen für 2015 wurde bei rund 3900 Menschen in Deutschland erstmals HIV diagnostiziert. Bei rund 1200 von ihnen liegt die Ansteckung allerdings viele Jahre zurück – dementsprechend fortgeschritten ist die Erkrankung des Immunsystems. (run/dpa)

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