Malaria in Deutschland ist nicht ausgeschlossen

DÜSSELDORF (dpa). Die Malaria war nicht immer nur eine Tropenkrankheit. Im 19. Jahrhundert grassierten kleinere Epidemien an der deutschen Küste, wo sich in den Feuchtgebieten die Anopheles-Mücke vermehrte. Sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Soldaten mit Malaria infiziert, die in den Rheinwiesen ihr Lager aufgeschlagen hatten, wie der Düsseldorfer Parasitologe Professor Heinz Mehlhorn berichtet. Inzwischen sind einige Experten der Ansicht, daß mit der Klima-Erwärmung eine Rückkehr der Malaria nach Deutschland nicht mehr ausgeschlossen ist.

Veröffentlicht:

"Die Mücke, die Malaria überträgt, haben wir hier schon", sagt Mehlhorn. Und sie finde hierzulande immer bessere Bedingungen. Immerhin sechs Arten der Anopheles gebe es in Deutschland, die die Erreger übertragen können.

Auch eine Studie des Bonner Professors Walter Maier im Auftrag des Umweltbundesamts hat ergeben, daß bei bestimmten Bedingungen das Risiko einer Malaria-Ansteckung in Deutschland wächst. "Es muß nur ein paar Wochen richtig heiß werden, wenn wir dann noch eine gewisse Menge infizierter Menschen haben, sind die Bedingungen für eine Ausbreitung da", sagt Mehlhorn. Denn die heimischen Mücken müßten sich erst selbst mit Malaria-Erregern infizieren, indem sie Kranke stechen.

Große Malaria-Epidemien mit Millionen Infizierten wie in Entwicklungsländern seien dennoch nicht zu befürchten: Die medizinische Versorgung in Deutschland und die mögliche Bekämpfung der Mücken mit Insektiziden mache eine großflächige Ausbreitung der Krankheit unwahrscheinlich. Pro Jahr werden in Deutschland durch Infektionen im Ausland etwa 1000 Malariakranke gezählt, von denen zehn bis 20 sterben. Weltweit sterben jährlich mehr als eine Million Menschen an Malaria.

Die Hitze ist bei der Ausbreitung der Malaria der entscheidende Faktor, weil die Krankheitserreger in der Anopheles-Mücke sich erst von einer bestimmten Temperatur an entwickeln können. Zwei Wochen lang muß es dazu Tag und Nacht mindestens 18 Grad warm sein. "Im vergangenen Jahr haben wir solche Bedingungen gehabt", so Mehlhorn. "Aber da haben die Mücken zum Glück nicht genug Infizierte gestochen."

Auch der Leiter der Arbeitsgruppe Malaria am Hamburger Tropeninstitut, Dr. Volker Heussler, sieht keine Gefahr von Malaria-Epidemien in Deutschland. "Man braucht einen gewissen Schwellenwert an Erregern, damit Malaria sich ausbreitet", erklärt er.

Dennoch kann es grundsätzlich auch in Deutschland zur Übertragung der Malaria kommen. So hatten sich in Duisburg 1997 zwei Mädchen, die nie in Malariagebieten gewesen waren, in einem Krankenhaus mit Malaria tropica angesteckt.

Die Krankheit war von der Mücke Anopheles plumbeus übertragen worden, deren Larven in einem wassergefüllten Astloch in der Nähe des Duisburger Klinikums gefunden wurden. Zur selben Zeit wurde damals ein Mädchen aus Angola in der Klinik wegen Malaria behandelt - die Mücke hatte sie vermutlich zuerst gestochen und dann die beiden Mädchen.

Das Risiko eines erneuten Ausbruchs der Malaria in Deutschland könnte durch bessere Vorsorge verringert werden, betont Mehlhorn: "Es ist unglaublich, wie leichtsinnig die Leute sind. Mehr als die Hälfte aller Urlauber reisen ohne Vorsorge in Malaria-Gebiete." Je weniger Menschen den Erreger ins Land bringen, desto geringer sei das Risiko, daß die Malaria in Deutschland wieder heimisch wird.

Mehr zum Thema

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Arzt in einem weißen Arztkittel spricht mit einem männlichen Patienten über die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung und gibt anhand dieser eine Behandlungsempfehlung ab.

© Pcess609 / stock.adobe.com

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen

Weltkugel mit Viren

© ImageFlow / stock.adobe.com

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Das hochintensive Intervalltraining (HIIT) enthält kurze, aber maximale Belastungsphasen mit anschließender kurzer Erholungspause.

© shevtsovy / stock.adobe.com

Prävention kardiometabolischer Risiken

Wie hochintensives Intervalltraining Herz und Lungen stärkt