Ärzte Zeitung, 22.09.2005

Mit Brucellose-Kranken ist auch in Deutschland durchaus zu rechnen

Touristen in Südeuropa sollten auf Milchprodukte verzichten

MÜNCHEN (ple). Da die bakterielle Infektionskrankheit Brucellose in Deutschland sehr selten geworden ist, rechnen Ärzte nicht mehr mit der Möglichkeit, daß Menschen mit dem Erreger dieser Zoonose infiziert sein können. Doch in Südeuropa gibt es noch Länder, in denen Brucellose endemisch ist und wo sich Einwanderer und Touristen aus Deutschland jederzeit infizieren können.

Die Auswertung klinischer Daten von 31 Brucellose-Patienten durch Wissenschaftler des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr hatte ergeben, daß sich fast alle Patienten während der Sommerferien bei einem Besuch der Türkei sowie in Bosnien, Griechenland, im Libanon und in Syrien mit dem Brucellose-Erreger infiziert hatten.

Dies geschah vor allem durch Verzehr nichtpasteurisierter Milch von Schafen oder Ziegen. Die kokkoiden, gramnegativen Keime können in Milch und Milchprodukten mehrere Tage bis einige Wochen überleben. Die Daten der Studie stammen vom Deutschen Referenzzentrum für Human-Brucellose in Berlin.

    Keime nisten sich vor allem in Knochen und Leber ein.
   

Fast alle Patienten der Studie hatten sich mit Brucella melitensis infiziert, eine Spezies, die plötzlich beginnende grippeähnliche Symptome wie Fieber, Übelkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Nachtschweiß hervorruft. Charakteristisch ist undulierendes Fieber, also ein Verlauf über 7 bis 21 Tage, in dem 2- bis 5tägige fieberfreie Intervalle auftreten.

Wird die Infektion nicht erkannt und keine Behandlung mit Rifampicin und Doxycyclin - oder bei Unverträglichkeit mit Cotrimoxazol - über sechs bis zwölf Wochen vorgenommen, kann es zu einem chronischen Verlauf der Brucellose kommen, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt.

Dies ist gar nicht so selten, sondern kommt immerhin bei etwa fünf Prozent aller Infizierten vor. Allgemeinsymptome bei diesen Patienten sind Affektlabilität, Depression und Schlaflosigkeit. Häufig ist ihre Milz vergrößert. In der Münchener Studie hatten 57 Prozent der Patienten eine Splenomegalie.

Bei Patienten mit chronischer Brucellose nisten sich die Bakterien in unterschiedlichen Körperregionen ein, vor allem in Knochen, Leber und Milz. Die häufigsten Komplikationen treten in Gelenken auf. Jeder dritte Patient der Münchener Studie war davon betroffen, fast genauso viele hatten Lungenkomplikationen, etwa Bronchopneumonien.

Wer sich in Endemie-Gebieten wie in der Türkei, aber auch in Südfrankreich, Portugal, Spanien, Italien oder Griechenland aufhält, sollte dort am besten auf den Verzehr von Rohmilch und daraus hergestellten Produkten wie Schafs- und Ziegenkäse verzichten, empfiehlt das Robert Koch-Institut in Berlin.

Weitere Infos zu Brucellose wie das Merkblatt für Ärzte gibt es beim Robert Koch-Institut unter http://www.rki.de

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