Syphilis kann buchstäblich ins Auge gehen

ROSTOCK (sko). Eine Infektion mit Treponema pallidum kann buchstäblich ins Auge gehen. So auch bei einem 52jährigen Patienten, der sich mit einseitiger Sehstörung und einem makulösen Exanthem der Handinnenfläche vorstellte. Wenn die durch Syphilis verursachten Augenveränderungen bekannt sind, kann schnell die richtige Therapie eingeleitet werden.

Veröffentlicht:

"Zehn Prozent der Syphilispatienten haben bereits in der Frühphase der Erkrankung eine Augenbeteiligung", berichtet Professor Gerd Gross von der Universitäts-Hautklinik Rostock ("Der Hautarzt" 12, 2005, 1182).

Der von ihm betreute Patient hatte wegen einer Visusminderung und einer Einschränkung des Gesichtsfeldes im linken Auge zunächst die ophthalmologische Ambulanz aufgesucht. Dort wurde eine Sehnerventzündung, eine diffuse Sehstörung im zentralen Gesichtsfeld sowie eine Störung des Farbsehens am linken Auge diagnostiziert.

Nachdem die Ophthalmologen in der Routinediagnostik ein auffälliges Ergebnis beim CMF-Test (Cardiolipin-Mikroflockungstest) als Hinweis auf eine Lues festgestellt hatten, überwiesen sie den Patienten in die Dermatologie. Dort wurde der Befund wegen der typischen Hautveränderungen und der weiteren Laborergebnisse bestätigt.

Durch eine Syphilis-Therapie mit Benzathin-Penicillin klang das Exanthem ab. Die Sehstörungen verschwanden nach einer Prednisolon-Behandlung (zunächst 1 g Prednisolon täglich über drei Tage). Anschließend wurde die Dosis langsam reduziert.

Für eine Optikusneuritis kommen viele Ursachen in Frage. Multiple Sklerose, Ischämie des Sehnervs oder auch andere Infektionskrankheiten mit Auswirkungen auf die Augen sind möglich.

Solche Infektionen waren auch bei dem vorgestellten Patienten wichtige Differentialdiagnosen, da der Patient es mit mehreren Infektionen zu tun hatte: Zeckenbisse mit anschließender Doxycyclin-Behandlung in der Vorgeschichte, ein Zoster toracicus und rezidivierende Herpes-simplex-Infektionen ließen sich durch die Untersuchung von Blut und Liquor bestätigen.

Da Gross eine Neuroborreliose nicht ausschloß, wurde der Patient auch antibiotisch mit einem Cephalosporin-Derivat behandelt. Eine aktive Herpesneuritis war hingegen sehr unwahrscheinlich, da die typischen Symptome an der Sklera fehlten.

Die frühen Symptome der Syphilis können an allen Abschnitten des Auges auftreten. Besonders im Augenhintergrund können die Erreger fulminante Verläufe mit irreversiblen Schäden zum Beispiel durch Gefäßwucherungen auf Leder- und Netzhaut oder auch eine Netzhautablösung verursachen. Deshalb ist eine frühe Therapie wichtig.

Damit es nicht zu irreversiblen Schäden kommt, sei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit früher Diagnose und Therapie entscheidend, so Gross. Voraussetzung hierfür ist aber, daß die Kollegen Bescheid wüßten, welche Symptome am Auge möglicherweise in der frühen Phase der Syphilis auftreten.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Nahaufnahme der Hände eines Labortechnikers mit einem Röhrchen mit einer Blutprobe darin aus einem Gestell mit anderen Proben.

© angellodeco / stock.adobe.com

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht