Ärzte Zeitung, 13.04.2006

Akute Infekte erhöhen Thromboembolie-Risiko

Entzündungsreaktionen können offenbar zu Endothelschäden führen / Analyse einer großen britischen Datenbank

LONDON (ner). Patienten mit akuten Infektionen haben mehrere Wochen lang ein erhöhtes Thromboembolie-Risiko. Das geht aus Analysen einer großen britischen Datenbank hervor, in der Krankheitsverläufe von Hausärzten dokumentiert werden.

Innerhalb von zwei Wochen nach einer akuten Harnwegsinfektion oder einer akuten systemischen Atemwegsinfektion wie Pneumonie, akuter Bronchitis oder bei Influenza ist das Risiko für eine tiefe Beinvenenthrombose und für eine Lungenembolie um mehr als das zweifache erhöht. Das berichtet Dr. Liam Smeeth von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in Großbritannien mit Kollegen (The Lancet 367, 2006, 1075).

Die Epidemiologen und Pneumologen hatten Krankenakten von mehr als 7000 Patienten mit erstmals aufgetretener tiefer Venenthrombose (TVT) und von fast 4000 Patienten mit erstmals aufgetretener Lungenembolie (LE) ausgewertet. Dabei registrierten die Wissenschaftler die Ereignisraten in Wochenabschnitten für ein Jahr und setzten sie in Beziehung zu vorherigen Infektionen.

46 Prozent der Patienten mit einer TVT hatten zuvor mindestens eine Atemwegsinfektion und 31 Prozent der TVT-Patienten hatten zuvor mindestens einen Harnwegsinfekt. Von den Patienten mit Lungenembolie hatten knapp drei Prozent zuvor mindestens eine Harnwegsinfektion.

Innerhalb der ersten zwei Wochen nach den Infektionen waren die Thromboembolie-Raten zweimal so hoch wie im Durchschnitt. Diese Raten sanken innerhalb von einem Jahr allmählich wieder auf das Niveau der Bevölkerung. Dieses Niveau wird mit 0,5 Venenthrombosen pro 1000 Patientenjahren angegeben.

Als Hauptursache für das erhöhte Thromboembolierisiko nehmen die Wissenschaftler an, daß die Entzündungsreaktion des Körpers unter anderem zu einem vorübergehenden Gefäßendothelschaden führen könnte. Das Thromboembolierisiko sei deshalb wohl auch nicht spezifisch für Harn- und Atemwegsinfekte. Infektionen sollten als Risikofaktor für Thrombosen angesehen werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »